Nuancenreiches Schäferstündchen

- "Ecco, che alfin ritorno" - "Nun, da ich endlich zurückkehre." Wie wahr, dieser erste gesungene Vers. Und da es in Sachen Opernengagement irgendwie hakt, strömen die Fans eben in den Herkulessaal. Andreas Scholl, begnadeter Counter-Tenor mit Schwiegersohn-Lächeln, lud zum Schäferstündchen. Von "Freundlichen Wäldern", "Treuen Hirten" oder dem "Herz in Fesseln" künden die Szenen Francesco Gasparinis und Benedetto Marcellos, ein Arkadien beschwörend, in das sich Roms High Society Mitte des 17. Jahrhunderts zu gern flüchtete.

Musikalisch grenzt manches an Herzweh-Dutzendware - es sei denn, es sind Könner auf dem Podium wie die Accademia Bizantina und Andreas Scholl, Ausdrucksfanatiker, fest entschlossen, jedes Seufzermotiv, jeden lyrischen Moment zur Herzensangelegenheit zu machen. Scholl könnte sich ja auf seine fast konkurrenzlos schöne Stimme verlassen. Zur vokalen Makellosigkeit und einem wie selbstverständlichen Koloratureinsatz gesellt sich hier aber eine nuancenreiche Intensität, ein Entdecken mannigfaltiger Ausdrucksvaleurs. <BR><BR>Keine Untermalung, eher gleichberechtigte Partner: die Accademia Bizantina. Anders als etwa englische Kollegen, die Vorklassisches offensiver, oft härter spielen, bringen die Italiener eine unverhohlene Sinnlichkeit in diese Musik. Da darf etwa Primarius Stefano Montanari zu Beginn von Corellis Concerto grosso op. VI, 4 locken und verführen, als gelte es eine barocke Balz zu tanzen. Und als das Opus in überdrehte, swingende Rasanz mündet, scheint es, als ob die Instrumentalisten nicht das Stück interpretieren, vielmehr mit der Musik spielen. Pop-Musik eine Erfahrung des 20. Jahrhunderts? Welch ein Irrtum! Lange Ovationen.<BR><BR>

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