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Nürnberger Theater will AEG-Streik aufarbeiten

Nürnberg - Das Staatstheater Nürnberg will das Schicksal ehemaliger AEG-Arbeiter mit Hilfe der Betroffenen in einem Bühnenstück aufarbeiten. Sie hatten 2006 lange gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze demonstriert.

Das Material dazu werde derzeit in Workshops gemeinsam mit früheren Beschäftigten des im Vorjahr geschlossenen Hausgeräte-Werks gesammelt. Die Erfahrungsberichte der Betroffenen sollen dokumentiert und zu einer Bühnenfassung verarbeitet werden, schildert der Nürnberger Schauspiel-Chef Klaus Kusenberg das Projekt "ArbeitsEnde:Gestern". Für Ende Oktober ist eine Aufführung zusammen mit dem Schauspielensemble des Staatstheaters geplant.

Vor einem Jahr war die 1922 in Nürnberg gegründete Hausgerätefirma AEG stillgelegt worden. Rund 1700 Arbeiter hatten daraufhin im Winter 2006 mit einem 46-tägigen bundesweit beachteten Streik vergeblich gegen die Schließung und den Verlust ihrer Arbeitsplätze gekämpft. Der schwedische Mutterkonzern Electrolux hatte bereits Ende 2005 die Verlagerung der Arbeitsplätze nach Polen und Italien beschlossen.

Die Theatermacher wollen den Arbeitslosen bei der psychologischen Aufarbeitung ihres Schicksals helfen. Bereits seit Anfang des Jahres treffen sich ehemalige AEG-Mitarbeiter jede Woche zu einer Gesprächsrunde. "Die ersten Sitzungen waren voller persönlicher Geschichten, Wut und Zukunftsängste", berichtet Regisseurin Tina Geißinger. Sie hofft, dass in den nächsten Wochen noch mehr Leute die Chance nutzen, von ihren Erlebnissen vor, während und nach dem Leben als AEG-Mitarbeiter zu berichten. Noch im April soll direkt neben dem früheren Nürnberger AEG-Gelände ein Projektbüro eröffnet werden - soll aus einem stillgelegten Arbeitsort eine Keimzelle kreativer Arbeit werden.

Gemeinsam mit der Schriftstellerin Sandra Hoffmann und der Bühnen- und Kostümbildnerin Friederike Baer will Geißinger den Arbeitssuchenden die Möglichkeit geben, ihre persönlichen Erfahrungen und Ängste in Worte zu fassen. "Uns war es wichtig, nicht über die Leute zu arbeiten, sondern mit den Betroffenen", erklärt Geißinger. Das ungewöhnliche Theaterprojekt wird von der Kulturstiftung des Bundes in Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung der Länder finanziell gefördert.

Nach Meinung von Schauspieldirektor Kusenberg schafft das Theater die Möglichkeit, sich vielseitig mit Einzelschicksalen und der Situation der ganzen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Durch das Projekt werde einerseits die Wirklichkeit ins Theater geholt, andererseits würden aber auch neue Wege gefunden, um Kunst und soziale Wirklichkeit zu verbinden, erklärte Kusenberg. Nach Ansicht der Nürnberger Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) bietet ein solches Projekt auch die Möglichkeit, Menschen für das Theater zu interessieren, die bisher noch nie ein Theater besucht haben.

www.arbeitsendegestern.de

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