Nützliches aus der Hexenküche

- Wer hat wohl in diesem Bettchen geschlafen? Und wer hat in diesem Sesselchen gesessen? Die Fantasie wird beflügelt durch den Anblick alter Möbel, durch das Berühren verschlissener Stoffe und den Geruch von Politur. Das ist die Faszination, die auch von den Einrichtungsgegenständen aus Schloss Veitshöchheim bei Würzburg ausgeht. Deren Instandsetzung wird gerade im Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösserverwaltung im Münchner Schloss Nymphenburg abgeschlossen.

<P class=MsoNormal>Das als fränkische Juwel bezeichnete "Sommer- oder Lusthaus" Veitshöchheim wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Antonio Petrini für die Würzburger Bischöfe erbaut und im 18. Jahrhundert von Balthasar Neumann zur fürstbischöflichen Residenz umgewandelt. Nach zweijähriger Sanierung wird es ab 23. April wieder für Besucher zugänglich sein.</P><P class=MsoNormal>Rund 170 Objekte, exklusive Möbelstücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Gemälde, Tapeten, Skulpturen, opulente Lüster, feinste Textilien und sogar einen schweren Billardtisch inklusive Queues und Elfenbeinkugeln haben Restaurierungsleiter Heinrich Piening und seine Mitarbeiter in rund 2500 Arbeitsstunden ausgebessert. Konstruktionen stabilisiert, Oberflächen regeneriert, gereinigt und gekittet.</P><P class=MsoNormal>"Aufgrund modernster Technik ist es uns möglich, die verwendeten Farben oder Holzarten zu ermitteln und zu ersetzen, ohne den betagten Kostbarkeiten zusätzlichen Schaden zuzufügen", begeistert sich Piening. Einer modernen Hexenküche gleicht sein Labor. Zahllose Töpfe und Tiegel stehen in den Regalen, gefüllt mit den geheimnisvollsten Substanzen und Pülverchen. Farbpigmente zum Beispiel. Aber nicht alles ist Blattgold, was hier glänzt. Manche Möbelschäden erfordern den Einsatz von Lösungsmitteldämpfen, Experimente mit hoch toxischen Substanzen sind daher keine Seltenheit.</P><P class=MsoNormal>Wahre Schätze, wie der große Schreibschrank in Lacktechnik aus den Jahren um 1720, werden buchstäblich mit Samthandschuhen angefasst. Schimmernde Metallpartikel in der auffällig rot-schwarzen Lackierung unterstreichen sein fernöstliches Erscheinungsbild, und nicht nur Blumenornamente ranken sich um dieses Möbel. Auch das Geheimnis des versteckten Brieffachs: Waren es die Dokumente einer unmöglichen Liebe, die hier einst verborgen lagen? Noch so eine Frage, die sich der entzückte Betrachter stellen darf - und deren Antwort der alte Sekretär doch für sich behalten wird.</P>

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