Nullzunull" ohne Völler

- Angehängt an Schlitzohr Rudis Emotions-"Völlerei" hat sich das Münchner Duo Karen Effenberger und Andrea Lesjak gewiss nicht. Denn das Kurz-Solo "Anpfiff" sah man bereits letzte Saison im Münchner Metropol. Aber PR-günstig für das nun zum Abendfüller ergänzte Tanztheaterstück "Nullzunull" war Deutschlands medienweit breit gewalztes Fußballskandälchen schon. Könnte doch was sein, mal so ein Kicker-Ballett.

<P>Das i-camp ein Mini-Stadion (Szenografie Lesjak und Musiker Zoro Babel). Zuschauer rundum. Auf dem Kunstrasen geht jetzt der Ball ab. Dachte man. Wobei das Verb "gehen" ja noch irgendwie trifft - wegen der Absenz von Tanz. Mit "Tanz" meinen wir hier eine komische oder aggressive, tragische, parodistische oder ernsthaft kritische, auf jeden Fall eine intelligent-spannende Auseinandersetzung mit dem Ball-Sport. Eine Reibung an seinen Regeln, Spielzügen - da könnte Choreo-Fantasie ansetzen -, an Rummel und Kommerz. An seiner massenhypnotischen Wirkung, die oft zu kriminellen, zu tödlichen Auswüchsen führt. Statt dessen nachbuchstabierte Äußerlichkeiten: Einmarsch, Aufwärmen, Sportarena-Geräuschkulisse, später beliebiges Rhythmus-Klöppeln auf zwei Schlagwerkbatterien, handgestrichelte Fußballtore und Pokale auf zwei Leinwänden oder Videos von Sonntagsfußballern im Park.<BR></P><P>Die dürfen dann auch mal live ein bisschen Gruppen-Dribbeln. Und Effenberger, die beinstämmige Schiedsrichterin, krampft sich, den Kopf im Leder, als Frankensteins Fußball-Monster eine Bodenspastik ab. In dieser bleiernen Öde kann man es schon als Höhepunkt bezeichnen, wenn eine Zwergenausgabe von Trapattoni mit einem Landsmann italienisch schwadronierend ein paar Minuten gelenkig herumbolzt.  Muss das i-camp solche Programme haben? <BR></P>

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