Der Nurejew des Flamenco

- Nicht aus Berufung, nicht aus "brennender Liebe zum Tanz, sondern aus Hunger" sei er Tänzer geworden, hat Antonio Gades einmal gestanden. Bei diesem durch und durch ehrlichen Künstler keine Koketterie. Denn der aus einfachen Verhältnissen stammende Gades, aufgewachsen in düsteren Franco-Jahren, musste schon mit elf als Laufjunge eines Gesellschaftsfotografen Geld verdienen. Und auch der Aufstieg vom Fotolaboranten der Madrider Zeitung ABC zum internationalen Flamenco-Meister und revolutionären Regisseur war immer wieder steinig. Am Dienstag erlag Gades 67-jährig seinem Krebsleiden.

<P>Machte Spaniens Tanz weltweit populär</P><P>Torero, Boxer oder Flamencotänzer - nur da lagen für einen armen spanischen Jungen gewisse Aufstiegschancen. Als 13-Jähriger debütiert Antonio Gades also im Circo Price. Und es ist nicht übertrieben, Gades als den Nurejew des Flamenco zu bezeichnen.<BR><BR>Kämpfernatur wie der russische Exil-Ballerino, hat er den Flamenco, eine strenge gewachsene Kunstform, zum erzählerischen Medium geschmiedet und damit diese spanische Tanzgattung über den Liebhaber-Kreis hinaus weltweit populär gemacht. Seine Ballette "Bluthochzeit", "Carmen" und "Liebeszauber" (1985), zwischen 1980 und 1985 gemeinsam mit dem Filmemacher Carlos Saura erarbeitet, wurden zu Kultstücken, zu Klassikern. Die technische Brillanz, das herbe Charisma und die Ausdruckskraft seiner Truppe, seines weiblichen Stars Christina Hoyos, inzwischen ihre eigene Compagnie-Chefin, ließen bei jedem Gastspiel hierorts auch die Zuschauer ins Münchner Deutsche Theater strömen. Glanz und Ruhm, die nur möglich waren durch die unerbittliche Disziplin dieses Flamenco-Künstlers.<BR><BR>Sein Handwerk lernte er in der Truppe der berühmten Pilar Lopez, der er acht Jahre als herausragender Tänzer angehörte. 1963 gründete er bereits seine eigene Compagnie. Während des ihm verhassten Franco-Regimes trat sie jedoch vor allem im Ausland auf. Gades' Vater, der auf republikanischer Seite kämpfte, war nur durch Zufall der Ermordung durch Franco-Soldaten entgangen. Und Gades, überzeugter Kommunist, hatte auch immer wieder in seiner Heimat an Kundgebungen gegen Franco teilgenommen.<BR><BR>Dieser Künstler war dem Regime unbequem, nicht zuletzt, weil er als Choreograph immer wieder Stücke des im Bürgerkrieg hingerichteten "roten Dichters" Federico Garcia Lorca auf die Bühne brachte<BR><BR>1978, drei Jahre nach dem Tod des Diktators, wurde Antonio Gades zum Leiter des spanischen Nationalballetts ernannt, 1980 aber wieder entlassen und zwar von Kulturminister de la Cierva, zuvor Zensurchef Francos. Für Gades vielleicht sogar eine gute Schicksalsfügung, da unmittelbar danach die Zusammenarbeit mit Saura begann. Vielleicht werden die Kinder aus der Verbindung mit einer Tänzerin und mit dem ehemals populären Filmstar Pepa Flores sein Erbe weitertragen.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hamill, hilf!
Am Donnerstag startet der neue „Star Wars: Die letzten Jedi“ – Mark Hamill kehrt als Luke Skywalker zurück, um die Rebellen zu retten. Über den Film reden darf er …
Hamill, hilf!
„Metallischer und düsterer“: Emil-Bulls-Sänger im Interview
Emil Bulls haben sich mit einem neuen Album zurückgemeldet. Am Samstag tritt das Quintett im Backstage auf. Im Interview spricht Sänger Christoph von Freydorf über die …
„Metallischer und düsterer“: Emil-Bulls-Sänger im Interview
Mahnmal für Georg Elser: Die Geschichte hinter dem Grafitto
Das große Graffito an der Bayerstraße ist ein echter Hingucker - und viel mehr als nur Wandmalerei. Im Making-Of-Video erzählen Loomit und Won von ihrem Verhältnis zu …
Mahnmal für Georg Elser: Die Geschichte hinter dem Grafitto
Yello in der Olympiahalle: Elektro mit Herz, Hirn und Humor
Das runde Leder hat den runden Loops keine Chance gelassen. In der Olympiahalle verliefen sich am Dienstagabend ungefähr 2000 Fans der Schweizer Elektro-Pioniere …
Yello in der Olympiahalle: Elektro mit Herz, Hirn und Humor

Kommentare