Obbelexxus bestohlen

- Fangen wir doch einfach bei den alten Römern an: Wer sich heute über endlose Bürokratieordner und Gesetzestexte aufregt, wer sich als gläserner und dokumentierter Mensch fühlt, der schaue nur mal 2000 Jahre zurück. Alles schon da gewesen. Magische Hilfe für alleinstehende und Damen suchende Männer im Blankoformular, Liebesflehen und Verwünschungen in schriftlicher Form, Sprüche leidender Schüler und Abmachungen gewiefter Geschäftsherren fanden ebenso lesbaren Ausdruck. Und wer sich heute mit Graffiti einen Namen machen möchte, der ist leider auch schon zwei Jahrtausende zu spät dran. Unglaublich, diese Römer!

"Alles geritzt"

In der Archäologischen Staatssammlung München regiert nicht nur baffes Erstaunen, sondern auch Humor. Und so führen Comiczeichnungen ganz im Stile von Asterix in ein kleines Reich von Preziosen, das bisher jedem Verfall treu widerstanden hat. Wen wundert es da noch, dass man dabei auch den Gallier Obbelexxus aus Aquitania (Südwestfrankreich) trifft, dessen silbernes Votivblech im 3. Jahrhundert von den Germanen gestohlen und dann im Rhein verloren wurde? Mit spritzigen (und wahren) Texten, Titeln und Tafeln werden hier ansonsten schwer verdauliche "Botschaften aus der Antike" spannend erzählt. Fazit und Ausstellungstitel zugleich: "Alles geritzt".

Von den Anfängen der Schrift nördlich der Alpen über die Blüte römischer Bildung und Vereinnahmung des Nordens bis zum Verfall der antiken Schriftkultur spannt sich der Bogen, also von einem Bernsteinsiegel aus dem 14. Jahrhundert vor Christi bis hin zu den Runen der Germanen des 6. Jahrhunderts. Dazwischen die Meilensteine der Schriftkultur in Form von Wachstafeln und Griffel, Bronze-, Blei- und Holzplatten, in Form gar eines Klappmessergriffes, auf dem ein Affe alias der ägyptische Gott Thot der Welt stolz Schriftrollen und Lesekunst entgegen hält. Akribisch gekennzeichnete Soldatenbesitztümer zeugen ebenso von Recht und Ordnung wie Vertragstafeln, die versiegelte Textdoubletten fälschungssicherer machen sollten.

Für alle Fälle sollte man sich aber neben den zahlreichen Dokumenten römischer Ordnung und Kaisermacht auch in die Abteilungen Magie und Menschliches begeben: Eine beschriebene Bleiplatte, mit Fledermausblut bestrichen, im Magen einer Kröte platziert und ins Schilf gehängt, soll gemäß eines Papyrus' aus dem 4. Jahrhundert wahre Wunder bewirken. Da scheinen Fluch- und Votivtafeln bis heute ein harmloses Vergnügen.

Bis 17. April 2006, Katalog 15 Euro, Tel. 089/ 21 12-402.

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