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Blau dominiert den Bühnenraum der Passionsspiele 2010; hier werden bereits die Kreuze positioniert.

Oberammergauer Passionsspiele 2010: Die Proben haben begonnen

2010 ist es wieder soweit, am 15. Mai hebt sich bei den Oberammergauer Passionsspiele der Vorhang der riesigen Freilichtbühne zur Premiere des „Spiels vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus“.

Erstmals wird Christus zur Nachtstunde ans Kreuz geschlagen. Spielleiter Christian Stückl hat sich bei seiner aktuellen Inszenierung dazu entschlossen, um das Hereinbrechen der Nacht dramaturgisch nutzen zu können.

Neu gegenüber den Spielen 2000 wird auch das Bühnenbild sein. Bäume an den Rändern der fast 70 Meter breiten Bühne sollen beim Zuschauer mehr Intimität herstellen, wie der Regisseur hofft. Zudem wurde der Fußboden mit leuchtend blauem Estrich überzogen – die Farbe findet sich an den Seitenwänden und in den Gassen der Hauptbühne wieder. Sehr viel bunter als in früheren Inszenierungen werden auch die zwölf „Lebenden Bilder“ gehalten. Sie zeigen Darstellungen aus dem Alten Testament und passen sich zwischen den einzelnen Textpassagen in den Spielablauf ein.

„Die Vorbereitungen laufen sehr gut“, sagt Frederik Mayet, der in Personalunion einer der beiden gleichberechtigten Christus-Darsteller und der Pressesprecher der Passionsspiele sowie des Münchner Volkstheaters ist. „Ab jetzt wird fast täglich geprobt.“ Alle Mitwirkenden seien mit Riesenbegeisterung bei der Sache, „man merkt, dass es eine tolle Gemeinschaftsleistung wird“. Den Gemeinschaftssinn hatte Regisseur Stückl schon bei der Nominierung der Hauptdarsteller im April beschworen. „Es ist wichtig, dass wir alle miteinander die Passion spielen“, rief er den Bewohnern zu. „Nehmt es sportlich, wenn Ihr nicht unter den Auserwählten seid.“ Dennoch richtet sich das Augenmerk auf das junge Jesus-Duo. Mayet gab bei der Passion 2000 den Lieblingsjünger von Jesus, Johannes. „Mit dem Jesusbild werde ich mich erst in den Proben intensiv auseinandersetzen. Am 15. Mai 2010 wird man es sehen.“ Der zweite Jesus, Andreas Richter, stand vor neun Jahren als Priester auf der Bühne. Schon als Kind spielte der heute 32-Jährige 1980 erstmals im Volk mit. „Vielleicht hilft er“, meint der Diplom-Psychologe mit Blick auf die schwierige Rolle über seinen Beruf.

Alles läuft also nach Plan, wäre da nicht die Wirtschaftskrise, die auch die Gemeinde Oberammergau als Veranstalter der Passionsspiele zu spüren bekommen dürfte. Zwar sind die hauptsächlich von inländischen Besuchern genutzten Einzelkarten ohne Übernachtung so gut wie weg. Doch der Verkauf der Arrangements mit bis zu zwei Übernachtungen treibt Bürgermeister Arno Nunn Sorgenfalten auf die Stirn. „Die Leute entscheiden immer kurzfristiger, ob sie verreisen oder nicht“, erläutert der parteilose Rathauschef, der selbst nicht mitspielen darf, weil er noch nicht lange genug in der Gemeinde wohnt. Vor allem aus den USA und Großbritannien kommen viele Besucher. Von Hiobsbotschaften, der US-amerikanische Markt für die Buchung der teuren All-inclusive-Angebote könne aufgrund der Krise zusammenbrechen, will man im Rathaus nichts wissen. In diesem Monat werde sich zeigen, dass eine Auslastung der 102 Aufführungen von 85 Prozent erreicht wird, gibt sich Nunn zuversichtlich. An die Marke muss man herankommen, um einen Reingewinn von 28 Millionen Euro zu erzielen.

Das Geld benötigt die Gemeinde dringend. Die touristischen Einrichtungen bescheren der Kommune ein jährliches Defizit von fünf Millionen Euro. Der Haushalt wurde von der Aufsichtsbehörde nur unter Auflagen genehmigt. Die Gemeinderäte wollen das Schwimmbad dichtmachen, wogegen Volkes Stimme mit einem Bürgerentscheid droht. Nur mit einer Bürgschaft des Freistaats über gut zehn Millionen Euro konnten die Investitionen für das Passionsspiel 2010 in Höhe von 33 Millionen Euro gestemmt werden. Die Spiele gehen auf ein Pestgelübde im Jahr 1633 zurück. Seit 1634 wird die Leidensgeschichte Jesu regelmäßig aufgeführt, seit der Neuzeit alle zehn Jahre. Über 2500 Aktive – jeder zweite Bewohner – wirken auf oder hinter der Bühne mit. Eine halbe Million Zuschauer werden zu den 102 Aufführungen bis Anfang Oktober 2010 erwartet. (www.passionsspiele2010.de)

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