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Für den Regisseur Klaus Lemke ist die Sache klar: Die Unterzeichner des Oberhausener Manifests haben dem deutschen Kino nicht zu mehr kreativer Freiheit verholfen, sondern es abhängig von staatlicher Förderung gemacht.

Plädoyer für die Kunst oder Abstieg?

München - 50 Jahre Oberhausener Manifest: Während das Jubiläum mit einer Feier in der Hochschule für Film und Fernsehen gefeiert wurde, ging Klaus Lemke mit einer Protestaktion auf die Straße.

Welten prallten aufeinander: Drinnen, im Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) an der Münchner Gabelsbergerstraße, feierten am Dienstag Politik und Filmbranche das 50. Jubiläum der Unterzeichnung des Oberhausener Manifests. Draußen protestierte der Regie-Rebell Klaus Lemke gegen Oberhausen und dessen Folgen. Drinnen erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) laut Mitteilung, die Unterzeichner – unter ihnen Filmemacher wie Peter Schamoni, Alexander Kluge oder Edgar Reitz – hätten mit ihrem Ruf „Papas Kino ist tot!“ eine Kinotradition begründet, „die dem deutschen Film wieder zu einem guten Namen verhalf“. Und Bayerns Medienminister Thomas Kreuzer (CSU) ergänzte: „Das Oberhausener Manifest ist bis heute ein Plädoyer für die Kunst und die Freiheit der Kunstschaffenden.“

Draußen bezweifelte Lemke genau das: Mit dem Manifest, erklärt der Regisseur, der mit „48 Stunden bis Acapulco“ (1967) und „Rocker“ (1972) bekannt wurde, habe der „Abstieg des jungen deutschen Films ins Massengrab bester Absichten“ begonnen. Für Lemke, der alle seine Filme aus eigener Tasche finanziert, tötet staatliche Filmförderung jegliche Kreativität, weil sie bequem mache. Ein Vorwurf, den umgekehrt auch die Väter des Manifests bereits erhoben haben: Bernhard Dörries etwa warf Ende der Achtziger der jungen Regie-Generation vor, sie rede zu sehr vom Geld und zu wenig von Formen und Inhalten. Christoph Schlingensief (1960-2010) konterte damals: Er wolle nicht wie Alexander Kluge „immer die Vergangenheit mitnehmen“. Die Alten seien für ihn nur wichtig, um zu wissen, „wie man es nicht machen soll“. Das sieht der 71-jährige Lemke wohl ähnlich. Dessen neuer Film „Berlin für Helden“ startet übrigens am 5. April im Kino und ist – natürlich – zu 100 Prozent ohne Steuergelder finanziert.

Michael Schleicher

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