Objekte der Sehnsucht

- Was bedeutet Schönheit in der bildenden Kunst? Was dem Galeristen Raimund Thomas, der an diesem Samstag mit einer großen Ausstellung Jubiläum feiert? Denn seit 40 Jahren präsentiert der Galerist in der Münchner Maximilianstraße 25 das Beste vom Besten - Werke des Deutschen Expressionismus und der Klassischen Moderne. Heute zeichnet Thomas nicht mehr allein verantwortlich für Geschick und Geschäft der Galerie.

<P>Seit einiger Zeit ist seine Tochter Silke an seiner Seite - "gleichberechtigt auf dem Briefpapier", wie sie sagt, "aber eigentlich bin ich seine Mitarbeiterin".<BR><BR>Was also bedeutet Schönheit dem Mann, dessen Künstlerliste sich wie ein Who's Who der Kunstgeschichte liest - von Jawlensky bis zu Max Beckmann und Emil Nolde, von Paul Klee über Fritz Winter zu Mimmo Paladino und Georg Baselitz?<BR><BR>Hin zur Wahrhaftigkeit</P><P>"Schönheit", so Raimund Thomas, "ist der Aspekt, auf den es ankommt; der Weg zum Transzendenten, zur Wahrhaftigkeit". Das wahrzunehmen sei für den Betrachter, auch für den Galeristen, nicht immer hundertprozentig sicher. Für Raimund Thomas gilt: "Es kommt darauf an, ob ich in der Lage bin, diese Qualität aus dem Objekt herauslesen zu können, und andererseits, ob das Kunstwerk fähig ist, eine solche Schwingung in einem anderen wachzurufen."<BR><BR>Das sind die zwei spannenden Seiten einer Medaille: "Der Künstler muss die Fähigkeit besitzen, etwas wahrzunehmen, was hinter den Dingen ist, und gleichzeitig diese Wahrnehmung in seinem Werk zu materialisieren." Der Betrachter, sagt Thomas, mache es sich oft zu bequem, "wenn er ein Bild abtut mit den Worten, er könne da nichts sehen. Wenn er's nicht kann, dann soll er's üben und nicht seine eigene Unfähigkeit, etwas zu erkennen, gegen den Künstler richten."<BR><BR>Seit vier Jahrzehnten kann das Publikum seinen Blick in der Galerie Thomas schulen. Wobei das klassische Programm es ihm nicht allzu schwer macht. "Wir sind keine Pilotgalerie", sagt ihr Gründer. Und Tochter Silke Thomas, die Kunsthistorikerin, ergänzt: "Die ganzen neuen Medien-Künste haben wir ja nicht. Ich kenne diese Publikums-Generation nicht so gut und kann daher nicht beurteilen, wie tief hier die Auseinandersetzung mit dieser Kunst erfolgt." Sie weiß nur, dass die Suche nach "inneren Werten" sich vor allem mit der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts verbindet. Darum findet sie noch immer spektakulären Anklang.<BR><BR>Raimund Thomas: "Gerade in den Jahren nach dem Krieg war das innere Bedürfnis der Menschen, sich mit Inhalten auseinander zu setzen, sehr stark. Das war ein Aufbruch von innen heraus", beschreibt der Galerist die 60er-Jahre, jenen Zeitpunkt, als er den mutigen Schritt wagte, sich mit Kunst selbstständig zu machen; das heißt, Bilder zu zeigen und zum Verkauf anzubieten. Auch die jetzige Jubiläumsausstellung ist eine Verkaufsausstellung: Kunstwerke, die aus Privatbesitz stammen, einige von Amerikas Westküste, die meisten aus Europa. Hinreißend schön, über jede Kritik erhaben, von größter Intensität. Objekte der großen Sehnsucht, in ihrer Wirkung nicht immer benennbar.<BR><BR>Es war diese Sehnsucht, diese Suche nach dem Dahinter, die vor über 40 Jahren den jungen Raimund Thomas veranlasste, sein Architekturstudium an der Münchner TU abzubrechen: "Das Künstlerische kam mir hier zu kurz." In seinem Krefelder Elternhaus aber war er sehr kunstoffen aufgewachsen. Und als der Vater 1960 nach München kam, um seinen Sohn im Studium zu besuchen, "schleifte er mich durch die hiesigen Galerien. Danach habe ich gewusst: Das will ich einmal machen."<BR><BR>Heute kann Thomas auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Wie sieht die Zukunft aus? Tochter Silke: "Es wäre ja langweilig, wenn ich das wüsste. Auf jeden Fall ist der Expressionismus noch immer hochinteressant. Da hängt mein Herzblut dran." Und Raimund Thomas nimmt sich vor, "nicht mitzurennen, wenn wieder einmal ein neuer Superstar kreiert wird; andererseits das Neue nicht zu verpassen."</P>

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