Sex oder Spaghetti

- Hei, wie sie strahlt, die Frau Lachner alias Luise Kinseher, in ihrem schicken, schwarzen Hosenanzug und der gestanzten Hostessen-Gestik. So muss das Glück aussehen. Wenn die Kundschaft auch nur annähernd so vom Angebot dieser "Firma" profitierte wie die Chefin selbst, wär' das allgemeine Wohl ja fast perfekt. Doch das ist alles nur schöner Schein, schon mit dem Firmenfrieden ist es bei "Glück und Co." nicht sehr weit her.

<P>Wie dieses obskure Unternehmen heißt auch das neueste Programm der Kabarettistin, das jetzt in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft seine Uraufführung erlebte (Regie: Peter W. Herrmanns). Konsequent privat geht's da zu, weshalb eine rhetorische Frage wie "Glücklich - in Deutschland?" gleich besonders in Erinnerung bleibt. </P><P>Aber genau damit ist die Quintessenz schon destilliert. Aus allen Wolken eines Traums vom bestmöglichen Leben, so führt die Münchnerin ebenso stringent wie subtil vor, fällt man unaufhaltsam in die harte Realität. Um dies zu demonstrieren, bietet die Erzkomikerin ein Panoptikum von frustrierten (Frauen-)Figuren auf. Frau Rösch hadert mit der Vorgesetzten, Frau Frese ("Männer verfetten") äußert sich desillusioniert über ihre Ehe, Frau Welsers Typen wollen nie, wie Frau Welser will. </P><P>Beim Spielen ist Kinseher ganz in ihrem Element, mit wenigen (Verkleidungs-)Tricks entstehen urkomische Karikaturen - wie Frau Wondra, die Putze aus Tschechien, die ihr Äußeres traurig macht ("Chab' mir saugän Fett ab lassän"). Das ist nie moralisch und nie plump, sondern dekliniert unangestrengt die (vermeintlichen) Voraussetzungen für ein gutes Gefühl durch - von Sex über Geld bis zu "Spaghetti mit Tomatensauce". </P><P>Da hätte es die "Harushis", arg blöde Verse aus der Welt der Hühner, gar nicht mehr gebraucht. Wie sich das Glück auf Dauer festhalten lässt, bleibt offen. Für's erste helfen zwei Stunden mit Luise Kinseher. <BR><BR>Bis 27. November, dienstags bis samstags um 20 Uhr, Telefon 089/ 39 19 97.</P>

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