Offenbarung der Liebe

- Die städtischen Ausstellungshäuser haben heuer mit einer neuen, so genannten Konsolidierungswelle zu kämpfen. Außerdem drängen immer mehr die Sanierungsmaßnahmen für Lenbachhaus und Stadtmuseum. Und es wird keine Traum-Ausstellung wie die über Franz Marc geben: Dennoch tut sich ein vielfältiges Ausstellungsangebot in der Landeshauptstadt auf, die ja auch vom Staat und anderen Institutionen verwöhnt wird. Eine Vorschau soll bei der Planung helfen und die Vorfreude anstacheln.

Lenbachhaus/ Kunstbau

Einen ruhigen Auftakt Ende Januar macht Ernst Kaiser im Lenbachhaus mit "nah und fern". Für die Schau, die Malerei und Zeichnung in Dialog setzt, hat man sich mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München zusammengetan. "40 Jahre Videokunst" - man denke an Urvater Nam June Paik - gilt es heuer zu feiern (Lenbachhaus ab 25.3.). Die Münchner kooperieren mit verschiedenen deutschen Museen, darunter dem Medien-Tempel ZKM Karlsruhe. "Update 06" stellt darüber hinaus die Ist-Situation dar. Ein großes Gruppen-Projekt gibt es ab 8.4. unter dem Titel "Bühne des Lebens. Rhetorik der Gefühle" im Kunstbau mit Künstlern von Sarah Morris bis Liam Gillick.

Paolo Parisi kann ab 24.6. seine feinen Farb-Fantasien im Lenbachhaus präsentieren. Farbe ist neben Licht auch ein wichtiger Bestandteil von Olafur Eliassons wunderbarer Riesen-Leuchtinstallation "Sonne statt Regen", die wieder im Kunstbau errichtet wird (ab 19.8.). "Gabriele Münter und die Fotografie" ist ein Thema, mit dem die "Schutzheilige" des Lenbachhauses erneut herausgestellt wird (ab 30.9.). Und Ende November kommt dann Cerith Wyn Evans, der Preisträger des renommierten Kunstpreises der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München, im Kunstbau zu seinem großen Auftritt.

Pinakothek der Moderne

Kunst:

Fotograf Wolfgang Tillmans' "München Installation 1991-2004/ 05" ist ab Ende Januar mit ihren 23 Teilen erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Japanischer Kontrast dazu die Aufnahmen von Nobuyoshu Araki: "Tokyo/ Sexteen". In ihre rätselhaften Bilderwelten entführt die in Berlin lebende Monika Baer ab 3.3. Passend zu 2006: die "Mozart-Serie". Grenzüberschreitung hin zum Tanztheater mit William Forsythe. Ab April werden die PDM und das Staatsballett sein Schaffen in drei Etappen mit jeweils unterschiedlichen Themen auffächern. Zum 100. Geburtstag der Fotografin Ellen Auerbach gibt es eine kleine Hommage (ab 16.5.). Anlässlich des vierten Geburtstags der PDM werden die Neuerwerbungen ab 8.9. präsentiert, darunter Werke von Pipilotti Rist und Neo Rauch. "Der Blick nach innen" bohrt sich in Gemälde von Jawlensky, Kandinsky, Kirchner und Kokoschka, um über deren "Tricks" Auskunft zu geben. Raffinierte Technik macht's möglich (ab September). Dan Flavin, dem Mann der Neonröhren, wird ab 16. November eine Retrospektive gewidmet - die erste überhaupt.

Grafik:

Zum 400. Geburtstag von Rembrandt (im Juli) zeigt die Staatliche Graphische Sammlung einige Meisterblätter aus ihrem Bestand (ab 21.2.). Eine besondere Entdeckung dürften die Zeichnungen des US-amerikanischen Bildhauers Al Taylor sein (ab 6.4.). Eine sehr, sehr wichtige Übernahme aus dem Pariser Centre Pompidou ist die Schau über den Surrealisten Hans Bellmer - die erste seit 25 Jahren (ab 29.6.). Zum Teil noch unbekannte Blätter werden mit Fotos und Skulpturen kombiniert. Münchens Moriskentänzer sind berühmt. Israel von Meckenem (um 1440-1503) erfasste ihre seltsamen Tänze in Kupferstichen, zu sehen ab 14.9. Ein intensives, verinnerlichtes Schauen versprechen Karl Bohrmanns Zeichnungen (Winter).

Architektur:

Hier wurde der Ex-Gefreite und Armeespitzel zum "Führer": "Ort und Erinnerung - Nationalsozialismus in München" untersucht das Verhältnis von Stadtgefüge und Ideologie. Eine wichtige Grundlagenforschung für das geplante NS-Dokumentationszentrum (ab 9.2.). Im Hinblick auf die sportlichen Ereignisse '06 ist ab Juni "Architektur + Sport - Vom antiken Stadion zur neuen Arena"  zu sehen. Fast gleichzeitig widmet sich das Architekturmuseum dem Baumeisterteam Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch (Brandhorst-Museum). Eine wunderschöne interdisziplinäre Exposition erwartet uns ab Ende November mit "Erzählter Raum und erdichtete Stadt - Beziehungszauber zwischen Architektur und Literatur"  vom "himmlischen Jerusalem" bis Döblins "Berlin Alexanderplatz".

Design:

Die Neue Sammlung startet ab Ende Februar mit "Graphic Wave - Plakatdesign aus Japan seit 1990" in die Saison. Seine Werke begleiten jeden Münchner seit vielen Jahren: "Pierre Mendell - Opernplakate" erzählt von dieser Kunst im öffentlichen Raum (Sommer).

Alte Pinakothek

Zusammen mit der Sammlung Brandhorst bauen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen einen imposanten Werk-Komplex von Cy Twombly auf. Nun werden 40 neue Skulpturen gezeigt, die nie zuvor in Europa ausgestellt waren (ab 23.3.) Ein hinreißend liebenswürdiges Bild ist Leonardos "Madonna mit der Nelke". Die Schau wird seine ästhetische Auseinandersetzung mit Kollegen darstellen, aber auch alle Geheimnisse, die dem Gemälde mit der heutigen Technologie zu entlocken sind (ab September).

Neue Pinakothek

Der Saal mit Carl Rottmanns Hellas-Landschaften ist etwas Besonderes seit dem Bau der Neuen Pinakothek zu Zeiten Ludwigs I. Mit einem Projekt, das ein Modell des alten Saals bis hin zu einer eigenen Publikation umfasst, will man diesen Solitär darstellen (ab September).

Haus der Kunst

"Clickdoubleclick" ist eine Fotografie-Exposition, die den Wandel der Aufnahmetechnik von analog zu digital schildert; natürlich im Hinblick auf die Kunst von Thomas Ruff bis Rineke Dijkstra (ab 8.2.). Die zum Teil schrillen Arbeiten des Münchner Designers Konstantin Grcic werden ab 16.3. zur Diskussion gestellt. Die WM spielt insofern auch in diesem Kunstgemäuer eine Rolle, als man Münchens Arena-Architekten Herzog & de Meuron eine Hommage widmet (ab 12.5.). Die Entwicklung von der Idee zum vollendeten Bau soll nachvollziehbar werden. Er schilderte das "Papageienland", den Nordosten Brasiliens, bereits im 17. Jahrhundert: "Frans Post - Maler des verlorenen Paradieses" (ab 2.6.). Fast zeitgleich wird über die Kunstzeitschrift "Kunst für alle" reflektiert. Schwarz sehen wird der Münchner bei "Black Paintings", aber sich nicht schwarzsehen. Diese Anti-Farbe ist eine malerische Herausforderung - Ende der 40er-Jahre nahmen sie viele Künstler an, etwa Rauschenberg und Rothko (ab September). Die indische Künstlerfamilie um Amrita Sher-Gil (1913-1941) wird ab Oktober porträtiert; aber auch der Vater aller Happenings Allan Karpow. Seine Aktionen werden wiederbelebt.

Münchner Stadtmuseum

Das Haus gibt sich heftig dem Fußball hin - wenn auch kritisch. "Fußball: Ein Spiel - Viele Welten" wirft einen geradezu ethnologischen Blick auf Fremdes und Bekanntes (ab 19.5.). Das Fotomuseum stellt ab Juli aktuelle Dokumentarfotografie vor (Preisträger der Wüstenrotstiftung). Ken O'Hara und seine Aufnahmen stehen im Herbst im Mittelpunkt. Im Winter widmet man sich dann dem Königlich Bayerischen Hoffotografen Theodor Hilsdorf (1868-1944).

Museum Villa Stuck

"Offenbarung der Liebe" ist eine Übernahme aus dem Birmingham Museum. Der Präraffaelit Simeon Solomon (1840-1905) wird im Umkreis dieser Künstlergruppe vorgestellt (ab 9.3.). Er ist eine der wichtigen Größen der jüdischen Kunst des späteren 19. Jahrhunderts. "Metamorphosen" über Mary Stuck in Kostümen (ab 9.3.) und "Geschlechterkampf" über das Mann-Frau-Verhältnis (ab 18.5.) beschäftigen sich mit der Kunst bei Stucks. Im Sommer wird an die Münchner "Gruppe Spur 1957-1965" erinnert.

Hypo-Kunsthalle

Mit einem Expressionisten-Panorama der "Brücke"-Maler beginnt die Galerie an der Theatinerstraße die neue "Spielzeit" (ab 24.2.). "Zurück zur Figur" durchleuchtet ab Juni die Malerei der Gegenwart - unter Beteiligung von Münchner Künstlern. Und ab Ende September gibt Auguste Rodin ein Gastspiel mit "Der Kuss - Die Paare".

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