OFFENER BRIEF IN SACHEN SYMPHONIKER

- Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,<br>angesichts der bevorstehenden Sitzung des Stadtrates fühle ich mich als Vorsitzender des "Freundeskreises der Münchner Symphoniker in die Pflicht genommen. Es liegt mir daran, den Stil der Diskussionen zu entschärfen, sodass in einem vernünftigen Miteinander verhandelt und schließlich eine gute Lösung gefunden werden kann.

<P>Bislang, das muss ich leider anmerken, glaubte man bei der Stadt, das Orchester vor vollendete Tatsachen stellen zu können. Als die Symphoniker schließlich unterrichtet wurden, waren die Würfel im Kulturausschuss, dem Sie vorsitzen, Herr Oberbürgermeister, bereits gefallen. Die Nachricht traf die Orchestermitglieder völlig unvorbereitet, weil sie - über parteipolitisches Denken hinaus - dem Menschen Ude mit seinem ausgeprägten Sinn für die Werte des Sozialen und der Kultur gewissermaßen blind vertrauten.</P><P>Ein Orchester vom Rang der Münchner Symphoniker. . . kann nicht im 58. Jahr seines Bestehens mit einem Federstrich entsorgt werden.</P><P>Von einem Tag zum anderen bewältigen die Symphoniker immer wieder neu den Wechsel von der Symphonie zur Oper, von Mozart zu Gershwin, von Filmmusik zum Verdi-Requiem. Den Musikern wird ein hohes Maß an instrumentalem Können, Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsvermögen und künstlerischen Fähigkeiten abverlangt.</P><P>Sieben Orchester in München! Pinakotheken und Museen in reicher Fülle. Das alles und noch viel mehr macht München zu einer Stadt, die in aller Welt bewundert und - das muss gesagt sein - beneidet wird. Diesen besonderen Zustand zu bewahren, ist eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, Herr Oberbürgermeister. Wie aber soll das gehen?</P><P>Wären Sie zufällig Sprecher der Opposition -, es würde Ihnen an besten Argumenten für die Erhaltung der Symphoniker bestimmt nicht fehlen.</P><P>Ich bitte Sie, Herr Oberbürgermeister, über die Frage Münchner Symphoniker ganz neu nachzudenken und mit allen dafür Zuständigen nach einer überzeugenden, nicht nach einer Not-Lösung zu suchen. Eine Kehrtwendung der Landeshauptstadt und ihres Oberbürgermeisters in Sachen Symphoniker würde mit Sicherheit von niemandem als Schwäche ausgelegt werden. Das Gegenteil wäre der Fall.</P><P>Ich grüße Sie, Herr Oberbürgermeister, mit dem von Ihnen geprägten Satz "Die Münchner Symphoniker sind (...) zu einem wichtigen und unverzichtbaren Bestandteil der Münchner Orchesterlandschaft geworden".<BR><BR>Christoph Stepp</P><P>Christoph Stepp war als Nachfolger von Orchestergründer Kurt Graunke Chefdirigent der Münchner Symphoniker. Er ist diesem Orchester als Vorsitzender des "Freundeskreises" nach wie vor eng verbunden.</P>

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