Ohne falsches Pathos

- Vieles mag sich geändert haben an der Bayerischen Staatsoper, doch ein Fixpunkt im Opernjahr bleibt wie das sprichwörtliche Amen im Gebet. Und so war Münchens Wagnergemeinde auch am Sonntag wieder vollzählig erschienen, um mit den traditionellen "Meistersingern" den Abschluss der Saison zu zelebrieren. Wenn auch August Everdings über viele Jahre lieb gewonnene (Oktober-) Festwiese inzwischen der nüchternen Sichtweise von Thomas Langhoff weichen musste. Im Jahr eins nach ihrer Premiere offenbart die Produktion sowohl Stärken als auch Schwächen.

Langhoff hat manch pfiffigen Einfall parat, um alte Klischees gekonnt zu umschiffen. Damit allein lässt sich das eher steril geratene Ambiente von Gottfried Pilz aber eben doch nicht immer mit Leben füllen.

Am Pult stand mit Peter Schneider nun ein Mann, der bereits unzählige "Meistersinger"-Schlachten mit Erfolg geschlagen hat und das Werk bis in die letzte Note kennt. Seine ebenso forschen wie schlüssigen Tempi gaben falschem Pathos dabei keine Chance, und auch die Sänger konnten sich bei ihm in guten Händen wissen. Jan-Hendrik Rootering steht die anspruchsvolle Partie des Hans Sachs achtbar durch, doch zu einem runden Rollenporträt fehlte der Stimme diesmal das entscheidende Quäntchen an Autorität. Fremd sein dürften solche Sorgen Hans-Peter König, der als Pogner aufhorchen ließ und sich mit nachtschwarzem Bass nachdrücklich für weitere Aufgaben empfahl.

Neu war das Liebespaar, wobei vor allem Adrienne Pieczonka mit warmem Sopran für sich einnahm. Stig Andersens Stolzing wusste als jugendlicher Hitzkopf zu überzeugen, doch was die vokale Seite betrifft, war ihm sein Konkurrent um Evas Gunst überlegen. Denn Eike Wilm Schultes Beckmesser war weit von bloßer Karikatur entfernt und stellte unter Beweis, dass man diese Rolle auch singend gestalten kann. Das Publikum zumindest ließ keinen Zweifel daran, wer den wahren Meisterschlag verdiente.

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