Bussi für die Puppe: Brenda Rae als Maschinenfrau Olympia mit Rolando Villazón als Hoffmann. Foto: Wilfried Hösl

Münchner Opernfestspiele: Ohne Glanz

München - Die vierfache Umbesetzung hat Folgen: Jacques Offenbachs „Contes d’Hoffmann“ mit Rolando Villazón im Nationaltheater fehlt der Glanz. Die Kritik:

Den Charme der Premiere oder gar den zusätzlich erhofften Festspielglanz hatten „Les Contes d’Hoffmann“ („Hoffmanns Erzählungen“), die am Donnerstagabend vor erwartungsfrohem Publikum im ausverkauften Nationaltheater präsentiert wurden, leider nicht. Notwendig gewordene Umbesetzungen – beim Dirigenten angefangen – und vor allem die unüberhörbare Indisposition des Titelhelden trübten den Genuss von Jacques Offenbachs Oper beträchtlich. Rolando Villazón quälte sich vom Kleinzack-Lied an durch die anspruchsvolle und dauerpräsente Partie und versuchte vergebens, seine gesanglichen Probleme wegzukaspern.

Dennoch trug ihn die offenbar unerschütterliche Liebe seiner Münchner Fans bis zum Ende. Und natürlich der Beistand seines als Alter Ego gezeichneten Musen-Freundes Nicklausse: Angela Brower spielte herzensfrisch, sang mit leuchtendem Mezzo und avancierte unweigerlich zum Publikumsliebling. Es geschieht nicht oft, dass ein Regisseur (hier: Richard Jones) die vier Frauen Hoffmanns dramaturgisch schlüssig mit einer Sängerin besetzen kann. Diana Damrau hatte die Herausforderung mit großem Erfolg gemeistert. Jetzt zwangen Schwangerschaft und Krankheit sie zu einer kompletten Absage und die Oper zu vierfacher Neubesetzung: Am leichtesten zu bewerkstelligen bei der stummen Stella (Michaela Brandl) und bei der aus dem Ensemble gefischten Giulietta: Anna Virovlansky lieh ihr ihre schöne, aufregende Stimme. Leider spielte sie (wie schon die Damrau) nur eine billige Schlampe, keine edle Kurtisane und stolperte über die eigene Schleppe. Als mit Witz und Puppenspieler-Tricks in Szene gesetzte Olympia feuerte Brenda Rae ihre Koloraturen ab, die in der extremen Höhe ein bisschen schrill gerieten. Die todgeweihte Antonia – an Damraus Stelle war zunächst Rebecca Nelson vorgesehen – sang nun Olga Mykytenko mit raumgreifendem, lyrischem Sopran.

Ansonsten bewährten sich John Relyea als baritonaler Finsterling (Lindorf, Coppélius, Dapertutto, Miracle), Kevin Conners als dreifaches Faktotum und Ulrich Reß als Spalanzani. Wer Constantinos Carydis’ sehnigen, genau konturierten, trockenen und doch stimmungsdichten Klang dieser Opéra Comique noch im Ohr hatte, wurde von seinem französischen Ersatzmann nun enttäuscht. Bei Marc Piollet rumpelte Offenbach eher laut und unpräzise aus dem Graben. Schade.

Gabriele Luster

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