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Die Pracht-Ausstattung zum „Bayadère“-Tanztheater schuf der Japaner Tomio Mohri.

Ohne Liebe und Leidenschaft

München - Nach vier Jahren Pause zeigt das Bayerische Staatsballett im Nationaltheater wieder den Klassiker „La Bayadère“. Zwei schöne Frauen im Kampf um einen stolzen Krieger in einem exotischen Ballett-Märchenland:

Marius Petipas „La Bayadère“ von 1877 – vielleicht den anspruchsvollsten unter seinen Klassikern – brachte Staatsballettgründerin Konstanze Vernon 1998 in einer neuen Fassung heraus. Es sollte zu ihrem Direktionsabschied ein glanzvolles Klassik-Juwel werden. Und wurde es bei dem von Rudolf Nurejew geschulten Choreographen Patrice Bart: in seiner Tanzfülle, in seiner Dramatik, nicht zuletzt in der Pracht-Ausstattung des Japaners Tomio Mohri. Und wir lagen Maria Eichwald und Elena Pankowa zu Füßen, Lisa-Maree Cullum und später Lucia Lacarra – alle, aus einer künstlerischen Emotion heraus, wunderbare Nikias.

Große Vorfreude jetzt bei der Wiederaufnahme (nach vier Jahren Pause) im Münchner Nationaltheater, zumal Ballettchef Lika den jungen, viel gelobten Russen Vadim Montagirov vom English National Ballet für die Rolle des Kriegers Solor eingeladen hatte. Und dann – ein Fall ins Leere. Enttäuschung fast auf ganzer Linie. Der erst 23-jährige Montagirov zeigt zwar nach einem vorsichtigen Gastauftritts-Einstieg (man kann das nachvollziehen) allmählich seine Stärken: zum Zurücklehnen technisch sichere, federnd leicht absolvierte Solovariationen. Statt Viril-Bravour – wie man sie von einem Russen erwarten würde – alle Konzentration auf Präzision, Sauberkeit, Linie. Montagirov kam mit 17 an die Royal Ballet School und ist geprägt vom elegant britischen Understatement-Stil. Das gilt alles auch so für seine Partnerarbeit.

Zusammen mit der Debüt-Nikia Ekaterina Petina, einer sehr schönen, aber dramatisch noch nicht geweckten Tänzerin, „vollzieht“ sich Liebe und Leidenschaft dann gerade mal in der Gleichführung der Ports de bras (Tipp: am 5. und 13. 10 tanzt die exquisite Bolschoi-Prima Svetlana Zakharova mit Marlon Dino).

Für einen Spritzer Erotik sorgen zumindest die wilden Hindu-Tänzer, angeführt von Wlademir Faccioni. Ein Hingucker ist auch das Debüt von Karen Azatyan als kraftvoll-kantiges „Goldenes Idol“. Münchens einstige edel-kühle Myrtha Elaine Underwood, längst kundig-wichtige Spitzenschuhverwalterin, ist als dramatische Sklavin Aija auf die Bühne zurückgekehrt. Man wird sie sicher in weiteren Charakterrollen sehen.

Der Rest, mag es hart klingen, ist eines Staatsballetts nicht würdig. Die Nikia-Rivalin Gamzatti von Roberta Fernandes bringt ein bisschen Glamour in die matte Atmosphäre. Aber es fehlt – übrigens dem gesamten Ensemble – die für dieses Ballett unbedingt geforderte ausgefeilt-geschliffene Klassik-Technik. Und in der Pantomime, generell leider ein aussterbendes Genre, braucht es mehr als das Tragen eines pompösen Kostüms. Das Staatsballett, mit seiner pointierten Modern-Dance-Schiene hat es natürlich schwer, für solche mächtigen Klassiker-Brocken fit zu sein. Und ausgerechnet gleich nach der langen Sommerpause, wo die Spannkraft noch nicht wieder in die Muskeln zurücktrainiert ist. Ex-Chefin Vernon hätte da garantiert auf längere Probenzeit gedrungen. Jedenfalls so getanzt, auch so ganz ohne Schatten-Akt-Poesie, degeneriert „Bayadère“ zum verstaubten Museum-Schinken. Was auch das Staatsorchester unter Michael Schmidtsdorff verhindern könnte. Selbst ein „balletiger“ Minkus kann, wenn liebevoll musiziert, ganz gut klingen.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen:

am 28.9., 4. und 5.10., 19.30 Uhr, 13.10. 18 Uhr; Karten 089/21 85 19 20.

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