"Ohne Moos nichts los"

- München - Die Stimmung war gelöst, der Rahmen festlich: Zum sechsten Mal bat Ministerpräsident Edmund Stoiber am Donnerstagabend zur Vergabe des Bayerischen Theaterpreises für herausragende Inszenierungen im deutschsprachigen Raum. "Im Garten Edi ist manches anders", scherzte Sabine Sauer vom Bayerischen Rundfunk, die durch die knapp dreistündige Gala im vorweihnachtlich illuminierten Prinzregententheater führte. "Hier sind die Schecks noch gedeckt."

Das Wissen um Bayerns "generöse Geschenke" spornte dann auch so manchen Preisträger und Laudator zu hohem Lob für den Freistaat an und versüßte Stoibers Wermutstropfen. Der CSU-Chef und ExKanzlerkandidat der Union hatte zuvor angekündigt, dass der mit knapp 250 000 Euro ausgestattete Preis wegen der angespannten Haushaltslage künftig nur noch alle zwei Jahre verliehen werden soll. Es sei sogar, wie in den Foyers und im Gartensaal beim anschließenden Staatsempfang gemunkelt wurde, zunächst eine gänzliche Abschaffung im Raum gestanden.<BR><BR>Doch dann flossen Sekt, Bier, Wein und der Euro noch reichlich: Vier Inszenierungen aus Stuttgart, Frankfurt/Main, Berlin und München wurden mit jeweils 50 000 Euro bedacht, 25 000 Euro erhielt das Nürnberger Theater Mummpitz und je 6000 Euro vier NachwuchsDarsteller.<BR><BR>Für den Erneuerer des modernen Tanztheaters William Forsythe war der Preis ein "klares Signal, dass Bayern zu Frankfurt steht". Sein Laudator Hilmar Hoffmann, früherer Frankfurter Kulturchef und ehemaliger Präsident des Goethe-Instituts, packte noch eins drauf und sprach von einem Skandal, dass die Banken-Metropole dem Ballett Frankfurt "mutwillig um 80 Prozent wegkürzt". Frankfurt verspiele damit seinen von Forsythe begründeten Ruf als "Mekka des avantgardistischen Tanztheaters".<BR><BR>Dem wollte auch Harry Kupfer nicht nachstehen, der für seine Inszenierung der selten gespielten Oper Benjamin Brittens "The Turn of the Screw" den Preis erhielt. Diese Auszeichnung bringe "Licht und Hoffnung aus Bayern nach Berlin", meinte Kupfer mit Hinweis auf die anhaltende Negativdiskussion um die Berliner Opernhäuser. Laudator Christoph Stölzl, früherer Berliner Kultursenator, bemühte für die dortige Theatermisere die Berliner Schnauze und betonte: "Ohne Moos nichts los."<BR><BR>Für die mit dem Ehrenpreis gewürdigte Doris Schade war es ein "freudiger Schreck", als sie in der Zeitung ihre Auszeichnung las. Lebenswerk habe so etwas Endgültiges, dabei sei das Theater doch fließend, meinte die "grande dame" der Münchner Kammerspiele. Rolf Boysen, ihr Partner in zahlreichen Stücken, nannte sie schon fast anrührend "eine holde Kriegerin", in Anspielung auf Doris Schades erste Münchner Rolle 1961 als Desdemona in Shakespeares "Othello" unter der Regie von Fritz Kortner. "Bleib, was du immer warst, eine Menschenschauspielerin." 

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