Ohne Rücksicht auf Verluste

München - Als Schauspieler ließ Ottfried Fischer in den vergangenen Jahren kaum ein Engagement aus, als Kabarettist machte sich das einstige "Machtschattengewächs" (so der Titel seines ersten Ensembles Mitte der Siebzigerjahre) dagegen rar.

Das soll sich jetzt wieder ändern. Heute hat der 54-Jährige in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit seinem neuen Programm "Wo meine Sonne scheint" Premiere. Regie führt Gabi Rothmüller.

Ihre letzte Bühnenpremiere mit "Was tun" liegt fast eineinhalb Jahrzehnte zurück. Kann man das Kabarettmachen auch verlernen?

Nein. Es ist wie beim Schwimmen. Wenn man es mal gelernt hat, kann man es immer. Vielleicht muss man am Anfang nur ein bisschen mehr paddeln, wenn man nach so langer Zeit wieder ins Wasser springt.

Ihr neues Programm trägt den Untertitel "Das Programm zur Heimat". Das lässt auch an Ortsverschönerungsvereine denken oder an Karl Moik...

Ich habe für dieses Programm eine Figur entwickelt, die in einer Kommission zur Schaffung eines Bundesheimatschutzgesetzes sitzt. Dieser Mensch vermutet Kompetenz bei sich, weil er tatsächlich früher Volksmusikmoderator und Bierzeltkomiker war. Bisher hat er die Heimat kommerziell betrachtet, nun soll er die ideelle Komponente herausarbeiten. Ob das gelingt, bleibt offen.

Warum ist der Begriff Heimat bei uns so schillernd?

Heimat hat oft bewiesen, dass sie leicht zu missbrauchen ist für extreme Ideologien. Aber man darf nicht vergessen, dass sie vor allem dazu da ist, den Menschen einen kulturellen und weltanschaulichen Lebensraum zu geben, der ihn letztlich zum Globalpatrioten befähigt. Weil er ein Heimatgefühl hat, akzeptiert er das Recht auf Heimat. Das geht dann bis zur Fremdenfreundlichkeit.

Bisher hat sich das Kabarett, das ja traditionell links ist, mit der Heimat schwer getan...

Das hat damit zu tun, dass die Linke im Prinzip immer noch von der Revolution träumt. Deswegen kann sie keinen räumlichen Patriotismus entwickeln. Die Linken sitzen in konspirativen Zirkeln zusammen und nehmen der Heimat übel, dass sie vom Klassenfeind geschändet wird. Die Rechten können sich zurücklehnen, weil sie wissen, dass der Staat  so denkt  wie sie.

Sie stammen aus Niederbayern, das ja viele kritische Geister hervorgebracht hat. Manche sagen, das habe damit zu tun, dass es in den Köpfen dort besonders eng zugeht.

Das hat vor allem damit zu tun, dass sich in Sigi Zimmerschied, Bruno Jonas und Rudolf Klaffenböck drei Menschen gefunden haben, die etwas auf die Beine gestellt und durch das Scharfrichterhaus auch eine Infrastruktur für andere geschaffen haben. Das war Zufall und hätte auch in jeder anderen Stadt passieren können, aber Passau hat natürlich gut gepasst.

Hat sich seitdem aus Ihrer Sicht etwas verändert bei den Menschen in Niederbayern, in Passau, überhaupt in der Provinz?

Passau hat jetzt einen SPD-Bürgermeister, was ich ganz beachtlich finde. Da herrscht jetzt schon eine andere Stimmung. Sigi Zimmerschied, der seine Heimatstadt ja seit Jahr und Tag zum Thema macht, ist für mich ein Beispiel dafür, dass Kabarett etwas erreichen kann.

Inwieweit beeinflusst Ihre Mitwirkung in einer sehr populären Serie die Schärfe eines Kabarettprogramms?

Gar nicht. Ich habe - und das wird man auch merken - keinerlei Rücksicht auf mein Fernsehpublikum genommen. Wer zu Ottfried Fischer ins Kabarett geht, muss damit rechnen, ein Programm zu erleben, das nichts mit dem "Bullen von Tölz" zu tun hat. Das, was da zu hören und zu sehen ist, ist meine Wahrheit als Kabarettist - oder das, was ich dafür halte - ohne Rücksicht auf Verluste.

Werden Sie sich als "Bulle von Tölz" rar machen?

Ich mache im ganzen Jahr 2008 nur zwei Filme, üblich sind sieben bis zehn, auch zwölf habe ich in einem Jahr schon gemacht. Ich werde mein Engagement reduzieren zugunsten des Kabaretts, aber auch zugunsten meines persönlichen Wohlbefindens, weil ich festgestellt habe, dass es sehr angenehm ist, selbst zu entscheiden, wann man am  Schreibtisch sitzen kann.

Was bedeutet das für 2009?

Das hängt auch davon ab, wie's Ruth Drexel geht. Ohne Resi ist der "Bulle" nur die Hälfte wert, und das schadet der Reputation der Reihe.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann

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