Ohne Tageslicht

- Drei Drucker aus München an ihren letzten Arbeitstagen. Jahrzehntelang arbeiteten sie täglich ab 18 Uhr bis zum Morgen. Dann ging man ins Bett. Ein Leben fast ohne Tageslicht, mit wenigen Freunden, abseits der eigenen Familie - für 1500 Mark Nachtzuschlag. "Könnte ich mich nochmal entscheiden, würde ich ein solches Leben nicht wieder führen", sagt einer von ihnen. Er leidet unter Schlafstörungen.

<P>Trotzdem ist die Dokumentation "Nachtschicht" des Münchner Regisseurs Alexander Riedel alles andere als weinerlich. Im Gegenteil: Sein Film ist voller Humor und Sympathie für die Hauptdarsteller und ihr Leben - auf das sie auch stolz sind. Riedel kam auf sein Thema, weil er als Student selbst in der Nachtschicht jobbte. "Das Wichtigste ist mir, das Authentische aufzuspüren", sagt er. Dabei habe er immer den Wunsch, cineastisch zu erzählen. So bemüht er sich, die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm aufzubrechen: Es gibt zwei ,Helden - kein Widerspruch zum Doku-Format. </P><P>Der Film erzählt auch von der Frechheit, mit der persönliche Schicksale zur Verfügungsmasse der Interessen von anderen erklärt werden. Ein kämpferischer Dokumentationsstil also, der an das "Direct Cinema" der Sechziger anknüpft. Riedel, 1969 in Augsburg geboren und in München aufgewachsen, studiert an der Münchner Filmhochschule. "Nachtschicht" ist noch nicht sein Abschlussfilm, aber eine tolle, reife Leistung.</P><P>Über ihre merkwürdige Existenz sind die Drucker alt geworden. Riedel begleitet sie durch die Nacht, versucht, Bilder, Geräusche, gewissermaßen sogar Gerüche dieser Arbeitswelt zu erhaschen und setzt ihr so auch ein Denkmal. Ein Film über den Abschied. Die Chronik eines angekündigten Todes aus der Bundesrepublik des Dritten Jahrtausends.</P><P>"Nachtschicht"<BR>Dokumentation<BR>Regie: Alexander Riedel<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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