Was auf die Ohren

München - Stopp. Innehalten, Tempo raus und die Fantastischen Vier vorne auf der Bühne der Münchner Olympiahalle mal kurz alleine Weitertoben lassen. Damit einen kurzen Moment Zeit gewinnen, um über das Phänomen dieser Musiker zu sinnieren. Seit 18 Jahren gibt es nun die Combo aus dem Schwäbischen, die Hip-Hop mit deutschen Texten zu einem dauerhaften Erfolg gemacht haben.

Dieser hat mehrere Gründe: Sprachgefühl ist der eine - und auch beim Münchner Konzert beeindruckt, was Smudo, Thomas D. und Michi Beck so alles mit ihrer Muttersprache anstellen können. Das absurd-dadaistische "mfg" (eine der Zugaben), dessen Strophen einzig und allein aus Alltagsabkürzungen, von ADAC bis ZDF, bestehen, ist nur ein Leuchtpunkt. Verglichen mit all den anderen deutschen Sprechsängern haben sich die Fantastischen Vier in ihren Texten immer schon wohltuend durch Attribute wie Intelligenz, Wortwitz, Hintersinn und (Selbst-)Ironie aus- und abgezeichnet.

Ein weiterer Grund dafür, dass die Band inzwischen eine deutsche Pop-Institution ist, liegt in der Tatsache, dass sie zur rechten Zeit ihre Musik weiterentwickelt und für Stile jenseits des Hip-Hop und Rap geöffnet hat.

Kein Wunder also - und damit zurück und mitten rein ins Münchner Konzert ­, dass sie begeisterte Schreie ernten, als sie die Fans in der nicht ganz ausverkauften Halle fragen: "München, könnt Ihr auch Schweinerocken?" Das meint wildes Tanzspringen zu Musik mit harten Gitarrenriffs, treibendem Bass und peitschendem Schlagzeug, das sich formvollendet zu dem Titel "Ernten Was Wir Säen" auf der aktuellen Platte "Fornika" zelebrieren lässt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Besucher indes längst zu einer springend-glücklich-schwitzenden Masse geworden, verlötet von And.Ypsilon an Computer sowie Mischpult; selig spätestens seit "Bring it back" vom Album "Viel". Und die Vier sind - angetrieben von ihren fünf Live-Musiker, die nicht unter Minderwertigkeitskomplexen leiden - wahre Arbeitstiere auf der Bühne, denen auch nach 18 Jahren der Spaß in den Sprunggelenken steckt: Es gab also mächtig was auf die Ohren.

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