Ohrwürmer vom Nil

- Aida? Klar, da denkt wohl jeder erst einmal an Verdi und Verona. Doch das könnte sich nun ändern, denn im Deutschen Theater, München, hat diese Woche die Musical-Fassung von "Aida" Einzug gehalten und das Publikum im Sturm erobert. Die neue Musik zur altbekannten Story stammt dabei von keinem Geringeren als Sir Elton John persönlich, dessen Songs nicht nur über den nötigen Schwung und Witz verfügen, sondern sogar echtes Ohrwurm-Potenzial besitzen. Was sich wahrscheinlich auch bei ein paar Dezibel weniger aus den Lautsprechern noch gut vermitteln würde.

Amneris' irrwitzige Kostümparade

Seinen Anfang nimmt das Stück in einem Museum, von dem aus wir eine Zeitreise ins alte Ägypten unternehmen. Doch Staub angesetzt hat die Geschichte deshalb noch lange nicht. Regisseur Robert Falls geht die Sache mit viel Humor an. Etwa bei der farbenprächtigen Modenschau von Amneris, deren irrwitzige Kostümparade zu den Highlights der Aufführung zählt. Ganz so bunt wie am Broadway oder bei der deutschen Erstaufführung vor zwei Jahren in Essen ist "Aida" im Deutschen Theater zwar nicht mehr, aber auch die auf Tourneeformat leicht abgespeckte Version kann sich sehen lassen. Was der Bühne dabei an technischem Schnickschnack fehlen mag, wird durch kluge Lichtregie und die flotte Choreographie von Wayne Cilento mehr als aufgefangen.

Der größte Pluspunkt des Abends ist aber zweifellos Ana Milva Gomes in der Titelrolle, die der nubischen Sklavin nicht nur im bewegenden Gospel-Finale des ersten Aktes stimmlich großes Format verleiht. In Bettina Mönchs Amneris hat sie jedoch eine ernsthafte Konkurrentin. Dass die Regie ihre Rolle im ersten Akt meist auf die des naiven Blondchens reduziert, ist ein wenig schade, doch Mönch spielt auch diese Fassette köstlich aus, ehe sie sich im zweiten Teil zur selbstbewussten Königin mausert.

Zwischen diesen beiden Frauen steht Bernhard Forcher, der als schmucker Hauptmann Radames nach kurzer Anlaufphase ebenso überzeugen kann wie der stimmgewaltige Kristian Vetter in der Rolle des intriganten Ministers Zoser. Wenn es einen Makel gibt an dieser "Aida", dann sind es die gesprochenen Dialoge, die gern etwas flüssiger über die Rampe kommen dürften. Doch das sollte sich im Lauf der knapp zweimonatigen Spielserie hoffentlich noch beheben lassen.

Wie schon bei "Cats" hat sich die Zusammenarbeit mit Stage Entertainment auch diesmal für das Deutsche Theater bezahlt gemacht. Denn wenn der Jubel am Premierenabend als Gradmesser gelten darf, hat das Münchner Haus mit "Aida" wieder einen Publikumsrenner zu verbuchen.

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