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Kam zum Mittagessen ins Münchner Restaurant „Seerose“: Oliver Stone dreht von Februar an seinen Film über den Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an der Isar.

Oliver Stone in München

„Wunderschöne Stadt, keine Beschwerden“

München - Hollywood-Regisseur Oliver Stone zeigte sich beim Neujahrs-Treffen des Film-Fernseh-Fonds begeistert von München.

Oliver Stone schaut verdutzt auf. „Fack ju Göhte“? Hat er sich gerade verhört? Klar, dass ihm, dem Hollywood-Regisseur, der Titel dieses deutschen Kinoerfolgs nichts sagt. Er sitzt im Restaurant „Seerose“ in München. Der Film-Fernseh-Fonds (FFF) Bayern hat zum Neujahrs-Treffen geladen. Es wurde gemunkelt, dass auch Stone kommen könnte. Schließlich ist er gerade in München, um seinen neuen Film über den Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden vorzubereiten (wir berichteten) – eine internationale Koproduktion, die mit 1,6 Millionen Euro auch vom FFF gefördert wird. Bestätigt war sein Kommen nicht. Doch nun sitzt er da. Gegenüber von Katja Riemann, einen Tisch weiter Elyas M’Barek, der jedes Mal lachen muss, wenn FFF-Pressesprecherin Gabriele Pfennigsdorf die Fortsetzung seines bisher größten Erfolgs nennt, die im September in die Kinos kommt: „Der erfolgreichste deutsche Film seit vielen, vielen Jahren wird nun fortgeführt mit ,Fack ju Göhte 2‘. Never change a winning team!“ Blick hinüber zum verwirrt dreinschauenden Stone. Lachen. „Was der bei dem Titel wohl denkt?“, entfährt es einem Besucher. Stone schaut in sein Weinglas. Etwas betreten.

Tatsächlich ist „Fack ju Göhte“ einer der vier FFF-geförderten Filme, die innerhalb eines Jahres „Besuchermillionäre“ wurden. So nennt es FFF-Geschäftsführer Klaus Schaefer. Bereits 2013 gestartet, erreichte die Komödie 2014 nochmal 1,8 Millionen Zuschauer – insgesamt hatte sie 7,2 Millionen Besucher. Die Dreharbeiten zum zweiten Teil haben bereits begonnen. Der Film soll zum Teil im Ausland spielen, verriet Constantin-Chef Martin Moszkowicz. Wo genau, ist noch geheim.

Weitere Abräumer im vergangenen Jahr: „Vaterfreuden“ (2,3 Millionen Zuschauer), „Fünf Freunde 3“ und „Bibi und Tina – der Film“ (je 1,2 Millionen Zuschauer). Schaefer zeigt sich zufrieden: „Wir gehen davon aus, dass 2014 rund ein Viertel der Kinokarten in Deutschland für deutsche Filme gelöst wurde.“ Auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ist begeistert. Alle bayerischen Kinos sind mittlerweile auf Digital-Spielweise umgestellt; mit rund 33 Millionen Euro gab der FFF drei Millionen Euro mehr Fördergelder als im Vorjahr. Und vor allem: Mit der Initiative „Filmkulisse Bayern“ arbeiten Filmemacher und Tourismusverband noch enger zusammen (wir berichteten).

Denn die Welt kommt zum Drehen nach Bayern. Bester Beweis ist der Gast aus Hollywood, der da gerade seine Nudeln isst. Er will noch nichts verraten über seinen Film, dieses Geheimprojekt über ein Geheimprojekt. Stattdessen schwärmt er von seinem Drehort: „Ich mag München sehr gern. Ich kam in den Siebzigerjahren öfter hierher. Eine wunderschöne Stadt! Es gibt viele gute Drehorte. Die deutschen Mitwirkenden sind sehr gute Schauspieler, das Set-Design, das Studio ist wunderbar. Keine Beschwerden!“, rattert er die Lobeshymne herunter. „Ich mag die Menschen hier, ich mag die Architektur. Es passt, es passt in unseren Film!“

Im Februar steht die Oscar-Verleihung an, Stone wurde bereits dreimal mit der Trophäe ausgezeichnet. Seine Favoriten in diesem Jahr? Das Thema interessiere ihn nicht, sagt er. „Ich konzentriere mich auf meine Arbeit.“ Da will er keine Zeit verlieren. Darum hat er Ministerin Aigner vor deren Rede auch zugeraunt, sie möge sich bitte kurz fassen. Lachen bei den Gästen. „Nein, nein – er hat das ganz nett gemeint“, sagt die CSU-Politikerin gelassen und hält sich tatsächlich daran. Ihr persönlicher Vorsatz für 2015: „Öfter gute Filme richtig schön im Kino sehen, um die tolle Arbeit, die Sie alle leisten, zu unterstützen.“

Katja Kraft

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