Olympiastadion: Perfekt inszenierte Eleganz

München - Céline Dion, die Pop-Lady mit der Prachtstimme machte auf ihrer Tournee Station in München und bot eine bombastische Show.

Die Polizei kommt pünktlich. Kurz bevor Céline Dion mit ihrem "Titanic"-Welthit "My Heart Will Go On" ihr opulentes Münchner Konzert beendet, fährt ein Streifenwagen durch das Marathon-Tor ins Olympiastadion. Wenige Minuten später eskortiert er die Sängerin und ihren Tross aus der Arena. Immerhin bewegt sich hier die nach Madonna erfolgreichste Pop-Lady und angeblich eine der zehn reichsten Frauen der Welt auf öffentlichen Straßen. Da ist offenbar staatliche Hilfe gefragt, um pünktlich zum nächsten planmäßigen Stopp zu gelangen.

Das Projekt World Tour Céline Dion funktioniert nach einem detaillierten Ablaufplan. Sie kommt, bleibt 100 Minuten für einen Auftritt und verschwindet wieder. Vielleicht gehört das dazu, wenn ein Weltstar, der zuvor fünf Jahre lang in Las Vegas engagiert war, die Arenen bespielt. Spontane Lebendigkeit verströmte der Auftritt am Sonntagabend in München daher nicht.

Zu Beginn präsentiert sich der junge Münchner Sänger Jon Mesek der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Arena (14 900 Gäste) - brav und bodenständig, so wie seine Songs. Um 20.25 Uhr hält dann Dions schwarze Limousine neben der Bühne, im pinkfarbenen Minikleid steigt die 40-Jährige aus. Sie ballt die Faust, wie ein Star das eben tut, bevor das Eröffnungsvideo über die Leinwände flimmert: Mit Lackstiefeln schwingt sich Dion in einen Sportwagen und lässt den Motor aufheulen.

Die perfekt inszenierte Eleganz des Filmclips überträgt die Kanadierin nahtlos auf die Bühne, als sie mit Roy Orbisons "I Drove All Night" eröffnet. Perfekt reproduziert Dion mit ihrer Band den Platten-Sound, bei "The Prayer" wird Andrea Bocelli vom Band eingespielt, aber auf der Leinwand sieht es so aus, als würde der Tenor mit auf der Bühne stehen.

Céline Dion ist ein Hochglanzprodukt, ausgestattet mit einer Prachtstimme, die sie einsetzt, als ginge es um ihr Leben. Sie singt sich, am eindruckvollsten bei "All By Myself", in einen Rauschzustand, bis das Publikum Kopf steht. Manchmal setzt sie einen energischen Blick auf, meist richtet sie am Ende der Songs jedoch ihre Augen verträumt zum Himmel.

Eine kleine Träne verdrückt sie nach "My Love", das sie ihrem Mann gewidmet hat. Überhaupt schwingt recht viel Bedeutung mit. "Ich mache das für meine Familie", ruft Dion vor "Taking Chances". Schließlich ist nicht nur ihr Mann mit auf Tour, sondern auch die 81-jährige Mutter und der Sohn. Mit großen Gesten und "The Show Must Go On" erinnert sie noch an Freddy Mercury. Bei "River Deep, Mountain High" ahmt sie gekonnt Tina Turner nach, bevor das Konzert nach 100 Minuten zu Ende geht.

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