Oper für Alle: Die "Romantische" bei Abendrot

- Man nimmt sie ernst, die Nachwuchsförderung an der Bayerischen Staatsoper. Und so meinte der Slogan "Oper für alle" diesmal nicht einfach nur den kostenlosen Eintritt.

Auch beim ausführenden Personal hatte sich einiges getan. Nicht nur, dass hier GMD Kent Nagano zum ersten Mal auf dem Marstallplatz den Ton angab, auch im Orchester waren zahlreiche neue Gesichter zu sehen - hatte man die bewährte Stammbesetzung doch für dieses Open-Air-Konzert um Mitglieder des hauseigenen Jugendorchesters Attacca verstärkt.

Die durften sich im ersten Teil des Abends gemeinsam mit den erfahrenen Kollegen bei Mendelssohn Bartholdys "Hebriden-Ouvertüre" präsentieren. Und das gleich vor so vielen Menschen, wie man sie laut Nagano "sonst vielleicht nur noch bei einem Bayern-Spiel sieht". Nervosität war den Musikern, deren jüngster gerade einmal zwölf Lenze zählt, dennoch kaum anzumerken und wäre dank der umsichtigen Stabführung von Nagano auch gänzlich unbegründet gewesen. Er verstand es gut, auf die jungen Leute zu achten, ohne dafür bei seiner Interpretation einen Gang zurückschalten zu müssen.

Bruckners vierte Symphonie gehörte dann allein dem Staatsorchester. Und so konnte sich nun auch der Nachwuchs nach glücklich überstandener Feuertaufe unters Volk mischen, um bei stimmungsvollem Abendrot die "Romantische" zu genießen. Wie bereits bei seiner ersten Münchner Auseinandersetzung mit dem Werk hatte der Dirigent auch diesmal die Urfassung gewählt und nahm sich viel Zeit, um die Besonderheiten der Partitur herauszukitzeln.

Doch da hier unter freiem Himmel - trotz gut ausbalancierter Tonanlage - eben nicht nur mit feinem Pinsel gemalt werden kann, ließ es Nagano auch schon mal richtig dröhnen und wusste die Symphonie bis zum effektvollen Finale hin kontinuierlich zu steigern. 

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