Oper zum Anfassen und eine leiernde Schallplatte

München - Die 13. Münchener Musiktheater-Biennale sucht nach dem „fernen Klang“. Drei Opern-Uraufführungen stehen im Mittelpunkt des Festivals.

Das Stück ist zwar schon 1912 uraufgeführt worden. Doch die Suche nach dem „fernen Klang“, so der Titel von Franz Schrekers Oper, das (oft vergebliche) Fahnden nach dem ultimativen Ausdruck bestimmt im Grunde das Schaffen eines jeden Tonschöpfers. Ein logisches, auch ein recht verspätetes Motto ist daher Schrekers Operntitel für die nächste Münchener Biennale.

Das weltweit einzigartige Festival für neues Musiktheater geht zwischen dem 3. und 19. Mai 2012 in seine 13. Runde. Drei Opern-Uraufführungen stehen im Mittelpunkt. Drei Werke, die sogar, wie der Chef Peter Ruzicka befriedigt berichtete, „zu 90 Prozent“ fertig seien – keine Selbstverständlichkeit nicht nur bei den Komponisten der Moderne.

Eröffnet wird die Biennale am 3. Mai in der Muffathalle mit „L’Absence“. Die deutsche Komponistin Sarah Nemtsov, Jahrgang 1980, möchte ihr Musiktheater-Werk nicht als reine „Holocaust-Oper“ missverstanden wissen. „Abwesenheit, Trauer, Leere, Verlust“ thematisiere dieses Stück, das auf dem „Buch der Fragen“ von Edmond Jabès basiert und um zwei Personen kreist: Sarah und Yukel, die ein Vernichtungslager überleben und traumatisiert sind. Nemtsov lässt in ihre Partitur dabei alte jüdische Vortragsformen der Rabbiner einfließen.

Ein ernstes Thema hat sich auch die südkoreanische Komponistin Eunyoung Kim (Jahrgang 1973) vorgenommen. „Mama Dolorosa“ wird am 5. Mai im Carl-Orff-Saal uraufgeführt. Eine dunkle Familiengeschichte um eine Mutter, die endlich den heißersehnten Sohn geboren hat, der allerdings wandelt sich irgendwann zum Täter.

Wieder ein Trauma, wieder ein eigentümliches Charakterporträt ist schließlich „Wasser“ des 43-jährigen Deutschen Arnulf Herrmann (ab 18. Mai in der Muffathalle). Dreizehn Szenen berichten hier von einem Mann, der in einem Hotelzimmer erwacht und in eine verzerrte, surreale Welt driftet. Unter anderem kommt dabei eine leiernde Schallplatte zum Einsatz, deren Loch sich nicht in der Mitte befindet.

Um mehr „München-Haftung“ und um mehr Vermittlungsarbeit ist diese Biennale bemüht. Es gibt unter anderem Hintergrundgespräche, kleinere Uraufführungen hiesiger Komponisten, aber auch eine Zusammenarbeit mit der Hauptschule Walliser Straße und dem Heinrich-Heine-Gymnasium. Die Schüler werden unter dem Motto „Musik zum Anfassen“ ein Theaterprojekt erarbeiten. Zugleich ist dies das vorletzte Festival, das Peter Ruzicka konzipiert. Bis 2014 ist er künstlerischer Leiter, wer oder was danach kommt, ist noch offen. Das Votum dürfte auch vom Finanzierungswillen der Stadt abhängen. Der Titel der übernächsten Biennale wäre damit fix: „Das ferne Geld“.

Informationen

unter www.muenchenerbiennale.de

Markus Thiel

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