Oper in Flammen

- Vielleicht wird man in den kommenden vier Monaten abends, wenn das Licht im Augsburger Puppentheatermuseum ausgegangen ist, vom oberen Stockwerk her ein aufgeregtes Lärmen vernehmen. "Ich bin die Schönste", wird eine Königin der Nacht zu einer anderen zischen. Ein Monostatos wird mit ein paar seiner Kollegen die kugeligen Bäuche vergleichen; grasgrüne Papagenos werden ihren Unfug treiben.

Unter ihnen wird eine Puppe namens Mozart sitzen und den Trubel genießen: ein großes Werk, durch Fantasie ins Leben gerufen, von Fantasie am Leben gehalten. Das haben Mozarts Opern mit dem Puppenspiel gemein, und daher liebt das Puppenspiel seit jeher Mozarts Opern.

In einer vergnüglichen Jubiläumsschau "für die ganze Familie" ist Augsburgs "Kiste" von Holzkopf bis Holzfuß auf Mozart eingestellt. Da gibt es Szenenbilder von "Die Zauberflöte" bis "Zaide". Das Papiertheater Nürnberg zeigt den Bühnenbild-Scherenschnitt seiner avantgardistischen Mozart-Oper. Auf einem Bildschirm läuft Lotte Reinigers aufwändiger Silhouetten-Film "Papageno". Die Puppengäste kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, den USA und haben zu einem großen Teil schon die weite Welt bespielt. Unter ihnen sind die reptilienhaften Handpuppen des Malers Aad de Haas, die feingliedrigen Marionetten von Schloss Schönbrunn, die eigenwilligen Käuze von Buzz Schwall aus Alaska.

Auch das berühmte Salzburger Marionettentheater konnte sich vorübergehend von einigen seiner charmanten Protagonisten trennen. Viele sind aber auch zu Fuß gekommen, direkt aus der Augsburger Puppenkiste: etwa die einhundert Figuren, die als Teil einer ausladenden Opernszene Sänger, Orchestermitglieder und Zuschauer spielen.

Es scheint, als hätten sich all diese Holz-, Filz- oder Pappmaché´-Geschöpfe in ihren prunkvollen Kostümen hier versammelt, um ihrem Meister stolz die unendlichen Facetten ihrer Charaktere vorzuführen. Etliche Hörplätze bieten die passende Musik; in einem kleinen Kino wird die "kleine Zauberflöte" der Augsburger Puppenkiste gezeigt.

Ein Foto aber stört die makellose Heiterkeit: Es zeigt Edward Leachs "New England Marionette Opera" (NEMO) - in Flammen. Fast zehn Jahre war Leach damit erfolgreich durch ganz Amerika getourt. Die Ausstellung "Mozart im Puppenspiel" setzt auch diesem Puppen-Traum ein Denkmal.

Bis 21. Mai, Di.-So. 10-19 Uhr, Spitalgasse 15. Info: 0821/ 450 34 50; www.diekiste.net.

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