Oper für den Starnberger See

München - Musiktheater-Biennale: Die neuen Chefs setzen auf Münchner Künstler und ungewöhnliche Schauplätze.

Irgendwann wurde der selbst gesponnene Kokon offenbar zu dicht. Die Münchener Musiktheater-Biennale ist mittlerweile zum Branchentreff mutiert. Renommiert, aber eben doch von sehr begrenzter Außenwirkung. Auch vor diesem Hintergrund ist die gestrige, einstimmige Entscheidung des Kulturausschusses zu sehen, das 1988 von Hans Werner Henze gegründete Festival künftig den Komponisten und Hochschul-Professoren Daniel Ott und Manos Tsangaris anzuvertrauen (wir berichteten).

Im Jahre 2016 bitten sie zu ihrer ersten Biennale und lösen den derzeitigen Chef Peter Ruzicka ab. Seit 15 Jahren entwickeln beide gemeinsame Projekte und haben sich auf ungewöhnliche Musiktheater-Formen spezialisiert. Viel deutet also darauf hin, dass das (noch) unbekannte Duo den Aufführungs-Begriff für die Biennale erweitern wird. Worte wie Performance, Tanz, Videokunst fallen. Überhaupt, so Daniel Ott, sei der „Werkstattcharakter“ extrem wichtig. Wenn sich beide also demnächst an Künstler wenden, „dann möchten wir Themen setzen und keine Formate vorgeben“.

Ott, Professor für Komposition und experimentelles Musiktheater in Berlin, hat da mit seinem eigenen Festival in Rümlingen bei Basel Erfahrungen gemacht. So hat er zum Beispiel unter dem Titel „Stromaufwärts“ eine Produktion organisiert, bei der Komponisten eine Nacht lang einen kleinen Fluss „bespielt“ haben. Ein musikalisches Open Air, für das sich plötzlich Förster und Bauern interessierten, nicht nur die Experten. Auch wenn das mancher in die Schublade „Eventkunst“ stecken mag: Leicht spektakelnde Projekte dieser Art und im öffentlichen Raum könnten nun Biennale-tauglich werden. Die beiden Chefs lassen dafür augenzwinkernd Schauplatz-Vorschläge wie den Marienplatz oder den Starnberger See fallen.

Daniel Otts Kollege Manos Tsangaris, Professor für Komposition in Dresden, betont, man werde dennoch die klassischen „großen Formate“ beibehalten, also Musiktheaterwerke für die Muffathalle oder ähnliche Säle. Aber es gibt eben Neuerungen. Verstärkt soll nun mit Münchner Künstlern, Ensembles und Institutionen zusammengearbeitet werden. Zugleich will man über den europäischen Tellerrand blicken – Daniel Ott hat als einen Arbeitsschwerpunkt Lateinamerika und dementsprechende Beziehungen.

Was dazukommt: Die Biennale soll künftig nicht nur im jeweiligen Festivaljahr Laut geben. Auch in den Zeiträumen zwischen den Festspielen werden nun musikalische Aktivitäten zu erleben sein, gern auch in Kooperation mit Schulen. „Wir wollen kein Feuerwerk, das einmal abgebrannt wird, und dazwischen ist zwei Jahre Ruhe“, sagte Kulturreferent Hans-Georg Küppers.

Gestern hat die Stadt zumindest den finanziellen Rahmen dafür gesichert. Wie zu Peter Ruzickas Zeiten verfügt auch die erste Biennale von Daniel Ott und Manos Tsangaris über einen Etat von 2,65 Millionen Euro. Ab sofort beginnen beide mit ihren Vorgesprächen fürs 2016er-Programm, noch sind keine Kompositionsaufträge vergeben. Längst aber für 2014 – die letzte Biennale, die Peter Ruzicka verantwortet.

Von Markus Thiel

Rubriklistenbild: © dpa

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