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„Die schöne Galathée“ mit (v. li.) Mathias Frey, Elisabeth Pratscher und Georg Führer.

Operetten mit Pfiff

München - An der Münchner Kammeroper laufen mit Suppés „Galathée“ und Offenbachs „Häuptling Abendwind“ gleich zwei Operetten. Lesen Sie hier die Premierenkritik:

Es geht nichts über intelligent gemachten Unsinn, und in dieser Sparte landet der Regisseur Dominik Wilgenbus immer mal wieder einen Treffer. Zum Beginn der Faschingssaison lädt er mit der Münchner Kammeroper in deren „Winterquartier“ Künstlerhaus (im Sommer: Nymphenburger Hubertussaal). Zwei Operetten-Einakter, von Wilgenbus kräftig durchgezwirbelt: witzige Texte, pfiffige neue Akzente – das darf, das muss bei diesem Genre sein. Zusammengespannt und locker verbunden wurden „Die schöne Galathée“ von Franz von Suppé und „Häuptling Abendwind“ von Offenbach, der auch Nestroy beschäftigte.

Ein schräges Holzpodest, ein bisschen Licht, rechts die zwölf Musiker unter Nabil Shehata mit den von Alexander Krampe wieder wunderbar stimmig arrangierten Noten, dazu fünf Sing-Schauspieler – mehr gibt’s nicht, und mehr ist auch nicht nötig, weil Wilgenbus die ganze Mannschaft auf seine Linie eingeschworen hat. Man spürt es, wenn alle aus dem gleichen Humor heraus agieren und mit der choreographischen Hilfe von Caroline Finn synchrone Albernheiten in wilden Indianer-Kostümen vollführen (Maximilian Nowka und Georg Führer). Wie denn im Kannibalenstück „Häuptling Abendwind“ unsere eigene Zivilisation kräftig eins übergebraten bekommt.

Auch die schöne Galathée, Wiedergängerin der Pygmalion-Geschichte, spielt mit Jahrtausenden. Die hat sie zwar als Statue verschlafen, ist aber, zum Leben erweckt, sofort in der Lage, sich vom anbetenden Schöpfer und Ehemann (Mathias Frey) etwas zu essen, vom jungen Liebhaber Küsse und vom reichen Kunstmäzen die nötigen Juwelen zu besorgen. Die zarte Elisabeth Pratscher macht das mit allem Stimm- und Körpercharme. Und Moritz Trauzettel belebt die Bühne mit seinen bizarren Tieren. Dass sie eine Seele hat, entdeckt Galathée übrigens nicht etwa bei einem ihrer Liebhaber, sondern vor Trauzettels schmusigem Hund, für dessen Körper sich der Puppenspieler einfach ein kleines blechernes Bierfass über den Arm geschoben hat. „Das Hundi!“ – berechnende Frauen sind genau so.

Viel Applaus des gediegenen Kammeroper-Publikums.

Beate Kayser

Nächste Aufführungenam 12., 13., 20., 21., 24., 25., 31. Januar sowie 1. Februar; Telefon 089/ 54 81 81 81.

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