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Die Bühne sieht aus wie eine Mischung aus Laufsteg und Bahnsteig – 40 Münchner Jugendliche erzählen hier „About Us“, also über sich.

Opernfestspiele: "About Us!" - wie in den Siebzigern

München - Elliott Sharp hat mit Jugendlichen das Stück „About Us!“ erarbeitet. Das Opernfestspielprojekt enttäuscht mit Abstraktheit und wenig Authenzität. Die Kritik zu einem Stück, wo der Erwachsenen-Blick dominiert.

Was wohl Avantgardisten und Teenager verbindet, ist das Gefühl, von der Welt unverstanden zu sein, von den Autoritäten für komisch oder bedrohlich gehalten zu werden. In „About Us!“ führt ein rätselhaftes Event zur endgültigen Entfremdung zwischen Erwachsenen und Jugendlichen: Die erhalten Einflüsterungen zu seltsamen Taten durch nur ihnen sichtbare Wesen aus einer fremden Dimension (dem Akzent nach: Franken) - genannt „Schrödingers“, nach dem Physiker, für ein bisserl Quanten-Verquastheit.

Es braucht allerdings, bis sich dieses Handlungsgerippe herausschält aus den Vorgängen auf der Bühne (Marie Pons), die halb einem Laufsteg, halb einem stilisierten U-Bahnsteig gleicht: Grade in der ersten Hälfte dieses Opernfestspielprojekts im Pavillon 21 wirken die Geschehnisse so abstrakt und dicht geschichtet, dass sich kein Gefühl von Normalität und Abweichung von selbiger einstellt.

Der New Yorker Neutöner Elliott Sharp hat das Stück mit rund 40 14- bis 19-Jährigen aus München erarbeitet (wir berichteten). Und das Resultat lässt einen öfters fragen, wo denn nun wirklich die Vorstellungen der Jugendlichen ausschlaggebend waren - und wo sie doch nur die Fantasie wiedergaben, die Sharp (Jahrgang 1951) von ihnen und ihrer Realität hat. Die Feindbilder Staat, Militär, Kirche, die bösen Soldaten in aufblasbaren Rüstungen, der passive Sit-in-Widerstand der Jugendlichen und das „Die Musik versöhnt uns alle, das ganze Universum ist eins“-Finale jedenfalls atmen schon sehr den Geist der Siebziger.

Seltsam unauthentisch wirken die Darsteller oft auch grade bei Texten in vermeintlichem Jugendjargon - wobei die Streuung des Talents bei einer solchen Gruppe von Amateuren erwartbar groß ist: Von Scheinwerferscheu bis zur vereinnahmenden Bühnenpräsenz war da alles vertreten.

Schade, dass die konfuse Dramaturgie des Stücks die Jungschauspieler so hängen lässt - und dass auch die Musik sich selten aufschwingt zu mehr als amorph-atonal grundierendem Geschrappel. Oft sind es Falko Herolds enorm fantasievolle, emotional ansprechende Kostüme und Michael Bauers Licht, die einem in Wahrheit die Geschichte greifbar erzählen.

So bleibt der Verdacht, dass bei diesem Projekt der Weg der Entstehung ungleich spannender, reicher war als das Ziel. Die Blicke, mit denen manche der Mitwirkenden den wohlwollenden Applaus entgegennahmen, erweckten jedenfalls den Eindruck, als wären auch sie selbst sich dieser Sache nicht ganz sicher.

Weitere Vorstellungen

heute (11 und 19 Uhr), 24. Juli (19 Uhr), 25. Juli (15 Uhr);

Telefon 089/ 21 85 19 20.

Von Thomas Willmann

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