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Opernfestspiele: Auf dem Münchner G 5-Gipfel

München - Drinnen Beifallsorkane à la Bayreuth, draußen gut 10 000 Fans vor der Übertragungsleinwand: Mit einer der bestmöglichen Besetzungen überhaupt konnte die Wagner-Gala der Münchner Opernfestspiele aufwarten.

Als sich Richard selig einst über seine Skizzen zur "Walküre" beugte, muss er an eine solche Siegmund-Stimme gedacht haben: bronzen im Klang, substanzvoll im Timbre, überzogen von ein wenig Edel-Patina, dazu verführerisch im Schmelz - eben wie die von Placido Domingo. Wobei Bayreuths Meister, dem ja das Wort mindestens genauso wichtig wie der Ton war, über manche Marotten des Tenorissimo gewiss erstaunt gewesen wäre.

Doch davon später. Denn Domingo, Waltraud Meier, René Pape, Martin Gantner und Kent Nagano, das ist zuallererst einmal der G 5-Gipfel der Wagner-Welt. Und drei der Teilnehmer bestätigten im Nationaltheater ihre Papierform. Waltraud Meier mit einem Gänsehaut-"Liebestod" und einer Sieglinde, bei der man sich fragte, ob diese Rolle von irgendeiner Kollegin je besser gestaltet wurde. Dazu René Pape als strenger, extrem dem Text verpflichteter Marke und als gefährlich schillernder Hunding - mehr Brutalo-Apparatschik als tumber Jäger. Nicht minder faszinierend: Martin Gantner, der Wolframs "Abendstern"-Hit in der Nähe eines Schubert-Liedes verortete.

Vor der Pause also Häppchen aus "Tristan" und "Tannhäuser", danach der erste "Walküre"-Akt. Für Domingo eine seiner häufigsten Übungen. Vor einem Vierteljahrhundert hat der Spanier erstmals Wagners Universum in der Lohengrin-Rüstung betreten. Und da verwundert es schon, dass sich in dieser langen Zeit seine deutsche Diktion kaum verbessert hat. Vor allem in beschleunigten Passagen purzelten die Texthürden. Manche Betonungen, abgerissene Phrasen oder auch routinierte Dramatik ließen den Verdacht aufkommen: Weiß der Superstar wirklich in jedem Takt, was er gerade singt? Natürlich hat auch Domingos Stimme in seiner langen Karriere an Spannkraft eingebüßt. Dass aber ein 66- (offiziell) bis 70-Jähriger (Gerüchte) noch immer den Siegmund stemmt und dabei siegessicher über Stellen segelt, an denen andere tricksen, ist ein Phänomen.

Mag die Gala die vereinigten Stimmschlürfer ins Nationaltheater und im Rahmen von Oper für alle vors Haus gelockt haben: Wichtig war vor allem Kent Naganos Dirigat - als Vorbote künftiger Wagner-Einsätze (November "Tristan", 2009 "Lohengrin", danach "Ring"). Das "Tristan"-Vorspiel missglückte, scheiterte an Unschärfen und einem zu überstürzt angesteuerten Höhepunkt - Wagner ohne Balance und Unterleib.

Aufschlussreicher dagegen der rasante "Walküre"-Akt (rund 60 Minuten). Natürlich spielt das wunderbare Staatsorchester diese Literatur notfalls auf Autopilot. Was Nagano hier anstrebt, ist eine schlanke Flexibilität, ein Klang, der nie auf Überwältigung setzt, sondern auf ein schmuckloses Freilegen von Finessen. Das mögen einige, ganz im Sinne der Nagano-PR, als "modernen" oder "intellektuellen" Stil preisen. Doch ist solches auch problematisch, fehlt dieser Interpretation dadurch die entscheidende Portion Substanz - jener Suchtfaktor, jenes hochemotionale Glühen, das Wagner eben auch beabsichtigte. Andererseits wird die Musik nie aufgedonnert, kann sich daher leicht anpassen: Bei Domingo, dem ausladende Phrasen heute schwerer fallen, wurde Nagano flotter, bei Waltraud Meier beruhigte er sich und ließ sich ein wenig von der Sinnlichkeit ihres Gesangs anstecken.

Jubel und Trampeln drinnen, draußen, als sich die Stars auf der Freitreppe zeigten, Stadion\-stimmung. "Zugabe"-Rufe blieben unerhört, Operndirektorin Ulrike Hessler sagte dafür: "Wir sehen uns am Freitag auf dem Marstallplatz wieder." Was dann eher nach Befehl statt nach Einladung klang.

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