Opernfestspiele: Thomas Quasthoffs leise Melancholie

München - Es ist eine schöne Tradition, dass im Rahmen der Opernfestspiele das Lied immer wieder zu seinem Recht kommt und so zwischen den großen, leidenschaftlichen Dramen auch die ruhigen Töne auf der Bühne des Nationaltheaters Gehör finden.

Bevor es jedoch am Montag so weit war, wandte sich Thomas Quasthoff zunächst in eigener Sache an das Publikum. Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Kunst des Liedgesangs, den er im heutigen Konzertbetrieb bereits zu den bedrohten Spezies zählt. Aber so lange Künstler wie er sich dieses Genres annehmen, wird es wohl auch in Zukunft ein interessiertes Publikum geben. Zum Beweis dafür hatte der Sänger nun mit seinem Schumann-Programm sogar die für diese Zwecke fast schon zu groß geratene Staatsoper spielend ausverkauft.

Wenn nötig vermochte er natürlich auch diesen Raum mühelos mit seinem klangvollen Bassbariton zu füllen, doch ließ er sich zum Glück nur selten zur vokalen Kraftmeierei hinreißen. Auch wenn Lebensfreude und Humor an diesem Abend keineswegs zu kurz kamen, ganz in seinem Element war Quasthoff immer dann, wenn er mit sanften Farben malen konnte und so die leise Melancholie hinter den einzelnen Liedern der "Dichterliebe" zum Durchscheinen brachte.

Eine solide Basis für diese kleinen, fein ausmodellierten Charakterstudien lieferte ihm dabei sein Klavierbegleiter Justus Zeyen, der Quasthoffs Vorlagen gekonnt aufnahm und ihm stets treu auf seinem Weg folgte. Beim "Liederkreis" wirkte die ganze Sache zwar manchmal eine Spur zu manieriert, doch schienen auch diese Momente von beiden durchaus bewusst gesetzt und in ein homogenes Gesamtbild eingebunden, das mit dem "Armen Peter" und der eloquent gestalteten Ballade vom König "Belsazar" ideal ergänzt wurde. 

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