UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

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Opernkrimi auf dreißig Metern Länge

München - Die Kammeroper München zeigt Rossinis „Diebische Elster“ im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg.

Wenn das kulturelle Angebot dünn wird in den Sommerferien, dann tritt die Münchner Kammeroper auf den Plan, stellt mit wenigen Mitteln, aber hochprofessionellen Musikern und frischen Ideen eine neue Lesart der Oper vor und profitiert nicht wenig vom eleganten Ambiente des Nymphenburger Schlosses. Aus den Fenstern des Hubertussaals hat man einen weiten Blick über die Anlage, sieht, wie sich der Himmel abendlich rosa färbt, und beobachtet die sanft dahinziehenden Schwäne in den Schlossgräben. Das alles ist schon die halbe Miete, und Dominik Wilgenbus, einer der Gründer und Leiter der Kammeroper, legt als Regisseur und Bearbeiter die andere Hälfte üppig drauf. Alexander Krampe hat diesmal Rossinis „Diebische Elster“ für elf Musiker (fünf Streicher, fünf Bläser und den witzigen Fremdkörper Akkordeon) eingedampft. Und wieder gelingt es, den Charakter der Musik, ihre Schnelligkeit, ihren Witz, aber auch ihr Sentiment hinüberzuretten, wenn Philipp Armbruster am Pult sich temperamentvoll darum kümmert.

Dass manches ein bisschen schroff herauskommt, holzschnitthaft, liegt an der nicht gerade idealen Akustik des Saals. Wilgenbus ist Bühnenbildnerin Katharina Raif diesmal gefolgt und lässt den schmalen Raum von seiner dreißig Meter langen Längsseite her bespielen. Ein Wagnis, das die Sänger zu strammem Hin- und Herlaufen zwingt, trotzdem viele Leute vom Geschehen nahezu ausschließt, weil zumindest in den vorderen Reihen die Zuschauer mit den Sängern auf einer Höhe sind. Doch wendet das Publikum die Köpfe unverdrossen hin und her wie beim Tennis und genießt, was es in normalen Theatern nicht gibt. Das sind die unkonventionellen Auftritte durch die Seitentüren, das ist das „Bühnenbild“ aus nahezu nichts außer ein paar Leitern, Stühlen, Lichterketten. Und das ist ein Ensemble aus sieben jungen, tadellos ausgebildeten Sängern. Frisch, unverstaubt geht’s zu. Ein besonderer Reiz ist alles, was der Puppenspieler Moritz Trauzettel mitbringt: eine schwarzweiße Stoff-Elster mit weiten Flügeln auf seiner Hand, einen Richter, der nur aus einem überlebensgroßen schwarzen redenden Mantel besteht, und märchenhafte, antinaturalistische Schattenspiele.

Wilgenbus hat das Stück gekürzt, eine Neufassung gemacht, die allerdings auch nicht klarer ist als das Original, und es ist leider nicht wahr, dass man versteht, was Sänger singen, zumal wenn Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Oder sind wir inzwischen von der Übertitelei in unsern Opernhäusern verdorben? Lassen wir die krause Handlung – reden wir von den Sängern: Stimmlich füllig ist Jean Bernes als Weingutsbesitzer, Jasmina Favre lässt einen schönen runden Alt hören. Ondrej Saling als Liebhaber Gianetto stemmt seinen Tenor in höchste Höhen und spielt engagiert. Giulio Alvise Caselli bringt einen runden Bariton und den silbernen Löffel ins Spiel, der, mit anderen, hier über Gut und Böse entscheidet. Peter Maruhn, ein vielversprechender Bass, ist als Bürgermeister einer der vielen, zur Not auch brutalen Verehrer der Lichtgestalt Ninetta. Simona Eisinger absolviert mit Verve und Charme alle Tücken, Koloraturen, Spitzentöne, die Rossini seinen Sängern vor die Füße rollt. In diesem krausen Opernkrimi gibt es ein Duett zwischen Ninetta und Pippo, einem ihrer hoffnungslosen Verehrer, hier gesungen von dem Countertenor Thomas Lichtenecker, der so viel Wärme und Enttäuschung in seinen Part legt, dass dieses Duett der Höhepunkt des Abends wurde. Lichtenecker wurde denn auch mit dem stärksten Schlussapplaus belohnt. Es ist immer wieder überraschend, wie genau und auf die Phonzahl richtig das Publikum in seiner Gesamtheit Sängerleistungen beurteilen kann.

Beate Kayser

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