Optimistischer Blick in die Zukunft

Werbung mit Maske: - Alles schon mal gehabt: der Sportler als Idol von der Einheit Körper und Geist, der Übereinstimmung von Schönheit und Gesundheit, als Symbol der Ideologie von Kraft durch Freude. Längst, so glaubte man eigentlich, habe man diese Verherrlichungsbilder überwunden, die ihren kultischen Höhepunkt in der Nazi-Diktatur erfuhren wie auch während des Stalinismus und des Sozialistischen Realismus der ehemaligen DDR.

Diese am propagandagesättigten Heldenklischee orientierte Ästhetik, die Pervertierung des antiken Ideals feiert indes fröhliche Urständ: Henry Maske, der gute Deutsche, der Kavalier in Handschuhen, Inbegriff von Anstand und Sauberkeit, kehrt zurück. Am 31. März steigt der Unerschrockene noch einmal in den Ring. Ein Held wie er im Buche steht; genauer gesagt wie er schon in den Katalogen einer Leni Riefenstahl oder eines Arno Breker zu finden ist. Auf dieser Linie jedenfalls vermarkten die RTL-Werbestrategen das frisch aufpolierte Superprodukt aus Frankfurt an der Oder. Wie ein Filmheld aus den 30er-Jahren, weich gezeichnet das kantige Gesicht, Licht und Schatten suggerieren Geheimnis, Schmerz und Opferbereitschaft, der strahlend blaue Blick aber richtet sich optimistisch in eine siegreiche Zukunft. Siegen für Deutschland. Oder untergehen als tragische Figur.

Wie sich die aktuellen Bilder ähneln. Nicht nur jenen von den Olympischen Spielen 1936. Nein, auch den Fotos jener Helden des Sports, die einst der Honecker-Staat quasi am laufenden Band produzierte. Und Henry Maske stellt sich dafür zur Verfügung.

Wenn von politischer Diktatur auch weit entfernt, leben wir doch in einer Diktatur der Werbung. Die schlauen Profis des Privatsenders haben die Lektionen der absoluten Machtsysteme gut studiert. Gekonnt schüren sie unterschwellig die Sehnsucht nach dem Übermenschen, die Bewunderung des Durchhaltens und Standhaltens um jeden Preis. Die Verherrlichung von Stärke, die ja auch im Mut zum Verlieren liegen kann.

Da kommt einem durchaus Klassisches in den Sinn: "Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück", wusste unser Heroen-verliebte Schiller. Aber eigentlich sind diese Zeiten doch vorbei.

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