Ordentlich eingeschenkt

- Einen "guten Tropfen" zu trinken, hat mit Prestige zu tun - und so ähnlich verhält es sich mit "guten Büchern". Insofern ist dieser Abend in der Lach- und Schießgesellschaft eine Kostprobe besonderer Art, denn hier gibt's keinen Süßmost, sondern "Spätlese trocken" (Karl Blessing Verlag, München, 19,95 Euro). Henning Venske schenkt seinem Publikum ordentlich ein, und was er da kredenzt, ist so gut durchgegoren, dass es einen regelmäßig "reißt".

Eine kabarettistische Lesung im doppelten Sinne, denn es wird vom Blatt gespielt, und das Ganze hat auch noch inhaltlich mit Literatur zu tun. Denn wo andere nur den Verfall der politischen Sitten beklagen, klaubt (um im Bild zu bleiben) der 67-Jährige allzu gern auch noch die letzten Beeren der Dichtkunst von den Rebstöcken. Kein Günter Grass und kein Martin Walser hängt zu hoch, um ihn nicht zu einer kleinen, feinen Parodie zu keltern. Und auch aus deutscher Heimat und deutschem Abgrund lässt sich noch ein bisschen Lyrik verschneiden.

Weil die Qualität von Geschriebenem direkt auf die Leser schließen lässt, ist Venske, der geniale (Nach-)Dichter, zwischendurch immer wieder ganz nah am (zunehmend ungebildeten) Volk, huldigt inbrünstig dem (Kultur-)Pessimismus. Dabei zeigt sich, dass der alte Winzer noch kein bisschen müde ist, denn er schneidet stets hart ins dürre Holz des Banausentums. Dass einerseits die Lust am Schmökern abnimmt, andererseits so mancher Promi oder Namenlose sich bemüßigt fühlt, ein Buch oder gleich das Internet vollzuschreiben - Venske, der Sommelier de Lettres, schlürft, schmeckt und spuckt aus.

Ein alter Kämpe des Kabaretts lässt seinem Sarkasmus freien Lauf, mit heiserer Spötterstimme und bitterem Dauerlächeln. Damit das alles auch bekömmlich ist, sorgt Akkordeonist "Iwan" alias Frank Grischek mit virtuosen kleinen Stücken dafür, dass man etwas zum Nachspülen hat.

Bis 17. Juni, dienstags bis samstags, um 20 Uhr. Telefon: 089 / 39 19 97.

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