Orientalisches Prachtmärchen

- "La Bayadère" steht wieder auf dem Spielplan des Staatsballetts und ist wieder hundertprozentiger Auslastungsgarant: Liebe, Eifersucht, Mord und doch Happy-End; wunderbare Pas de deux und ebenso ziseliert schöne Gruppentänze, das alles in der Farb-explodierend berauschenden Ausstattung des japanischen Künstlers Tomio Mohri, kurz: Dieses orientalische Prachtmärchen von Patrice Bart (nach Petipa) hat auch jetzt beim 49. Mal alle Ballettomanen-Wünsche erfüllt. Enthusiastischer Applaus vom vollen Münchner Nationaltheater für Ensemble und das Staatsorchester unter Myron Romanul, für Lisa-Maree Cullum (Nikija), Roman Lazik (Solor) und die neue Solistin Roberta Fernandes, erstmals als Radscha-Tochter Gamzatti.

Ein mutiges - aber ein gelungenes Debüt. Mutig, weil die hochgewachsene hübsche Brasilianerin wegen Engpässen innerhalb des Ensembles (vor der großen Premiere "Die silberne Rose" am 10.12.) die technisch ziemlich knifflige Gamzatti-Partie schon zehn Tage früher als geplant wagte. Fernandes, die uns bereits im Stuttgart-Ballett als charismatische Tänzerin aufgefallen war, ist mit ihrer langgliedrigen, dennoch Balance-festen Linie, ihrer sehr femininen Ausstrahlung eine neue Farbe im Ensemble.

Zugewinn auch der aus Zürich kommende Solist Tigran Mikayelyan. Der attraktive Armenier nahm in der gestochen gelieferten Halsbrecher-Partie des "Goldenen Idols" die Zuschauer im Sturm. Makellos schön die Nikija von Lisa-Maree Cullum, die hier diese ganz spezielle Aura einer absoluten Elite-Ballerina umgab. Und diese Aura, das sei hier einmal gesagt, ertanzt sich eben nicht in einem modernen Stück, wie gut auch immer, sondern nur in einem Klassiker wie "Bayadè`re". In Hochform auch Roman Lazik mit Traumsprüngen und seiner ganz auf Cullum abgestimmten Musikalität. Um das Glück voll zu machen: Cherie Trevaskis, hinter den Kulissen die unermüdliche Spezialistin für "große Gruppe", hat den weißen "Schatten"-Akt, aber auch all die Bayadè`ren- und Hindu-Tänze zu blendendem Endergebnis geprobt.

Weitere Vorstellungen 25. 11.; 5., 11., 14.12. und, nochmals mit Fernandes, 18.1.06.

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