Orloks monotones Gezappel

- Warum erst aufstrebende Choreographen sich nur immer wieder in eine abendfüllende Arbeit verbeißen? Wo doch seit langem klar ist, dass die zeitgenössisch freie, abstrakte Tanzsprache nicht mal bei bereits arrivierten Tanzschöpfern einen ganzen Abend trägt. Ludger Orlok, in der kargen Münchner Tanzszene eine Hoffnung, und darum jetzt vom Kulturreferat gefördert, hat eine Tanzperformance zum Thema "Informations-overload" ins Münchner i-camp gestemmt: "Ein Samstag. Danke Schön". Autisten retten sich vor der ihnen unerträglichen Informationsflut in die Stille. So viel wird klar.

Aber eine Stunde lang autistisch spastisches Gezappel von vier Personen oder nur von einer - wenn sich die anderen drei auf die ihnen reservierten Eckplätze in der Zuschauer-Stuhlreihe rundum zurückziehen -, das hält man schier nicht aus. In der Wiederholungsmonotonie schon ein Höchstmaß an choreographischem Einfall, wenn es im Schnellkrabbel-Tempo über den Boden geht oder alle vier in einem Körperklumpen ineinander verklettet sind. Der hohe, weiß ausgeschlagene "Asyl"-Raum ist angenehm. Mit einer Heino-Sonnenbrille hätte es sich sogar prima wegnicken lassen, in der Stille nach dem hektischen Gewese. <BR>Mathilde Monnier hat in ihrem Centre Choré´graphique, Montpellier mit Autisten gearbeitet. Ein Film darüber (auf arte) schlug länger als eine Stunde in Bann. Da war eine echte Suche nach Kontakt und Aufbrechen des autistischen Kokons. Da war Anmut in der erkämpften Geste. Hier war nur der schale Schweiß von vier Leuten, die sich vergeblich abrackern.<BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maler Karl Otto Götz ist tot
Er galt als Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit: Karl Götz. Der Maler ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Maler Karl Otto Götz ist tot
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen

Kommentare