Orloks monotones Gezappel

- Warum erst aufstrebende Choreographen sich nur immer wieder in eine abendfüllende Arbeit verbeißen? Wo doch seit langem klar ist, dass die zeitgenössisch freie, abstrakte Tanzsprache nicht mal bei bereits arrivierten Tanzschöpfern einen ganzen Abend trägt. Ludger Orlok, in der kargen Münchner Tanzszene eine Hoffnung, und darum jetzt vom Kulturreferat gefördert, hat eine Tanzperformance zum Thema "Informations-overload" ins Münchner i-camp gestemmt: "Ein Samstag. Danke Schön". Autisten retten sich vor der ihnen unerträglichen Informationsflut in die Stille. So viel wird klar.

Aber eine Stunde lang autistisch spastisches Gezappel von vier Personen oder nur von einer - wenn sich die anderen drei auf die ihnen reservierten Eckplätze in der Zuschauer-Stuhlreihe rundum zurückziehen -, das hält man schier nicht aus. In der Wiederholungsmonotonie schon ein Höchstmaß an choreographischem Einfall, wenn es im Schnellkrabbel-Tempo über den Boden geht oder alle vier in einem Körperklumpen ineinander verklettet sind. Der hohe, weiß ausgeschlagene "Asyl"-Raum ist angenehm. Mit einer Heino-Sonnenbrille hätte es sich sogar prima wegnicken lassen, in der Stille nach dem hektischen Gewese. <BR>Mathilde Monnier hat in ihrem Centre Choré´graphique, Montpellier mit Autisten gearbeitet. Ein Film darüber (auf arte) schlug länger als eine Stunde in Bann. Da war eine echte Suche nach Kontakt und Aufbrechen des autistischen Kokons. Da war Anmut in der erkämpften Geste. Hier war nur der schale Schweiß von vier Leuten, die sich vergeblich abrackern.<BR>

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