Orpheus in der Wörter-Welt

- "Sehnsucht nach der Einheit der Künste", konstatiert Münchens Kulturreferentin Lydia Hartl und ruft Orpheus, den sagenhaften Sänger, gewissermaßen zum Schutzpatron auf: für die aktuelle, die 14. Internationale Frühjahrsbuchwoche vom 7. bis 15. März. Sie ist nämlich diesmal keinem Land, sondern einem Thema gewidmet. Es geht um "Literatur & Musik". Das bedeutet zugleich ein Bekenntnis zur Qualität. Die wolle man trotz Kürzungen erhalten, deswegen könne man die Buchwoche nur mehr alle zwei Jahre abhalten. Auf dieses Niveau ist Eva Schuster, im Referat zuständig für Literatur, stolz. "Es gibt kein großes Festival, das sich mit einem Thema beschäftigt."

<P>"Literatur & Musik"</P><P>Für das Zusammenwirken von Klang und Wort, von Tönen und Bedeutung holte sich das Kulturreferat nicht nur die Deutsche Bank als Sponsor, sondern auch viele Mitveranstalter vom Gärtnerplatztheater über diverse Buchhandlungen bis hin zum Literaturhaus. 25 Programmpunkte mit 60 Künstlern werden geboten. Darunter nicht nur Schriftsteller mit einem Faible fürs Musikalische; eingeladen sind ebenfalls wortmächtige Musiker - und jene die sich in der Grauzone, in der Zwischenwelt der Gattungen bewegen.<BR><BR>Dass die Literatur nur zu leicht der Fülle des Wohllauts erliegt, beweist der Auftakt. Das Münchener Kammerorchester "erläutert" Brittens "Les Illuminations" - nach Rimbaud - und Janá´ceks "Kreutzersonate" - nach Tolstoi. Damit das poetische "Nach . . ." nicht gar so nach-geordnet ist, erklärt Dirigent Christoph Poppen, dass die Fuge doch eigentlich Literatur sei. Vielleicht noch faszinierender dürften die frühmittelalterliche Vokalmusik (10. 3.), Salome Kammers solistische Stimm-Akrobatik (13. 3.) und vor allem die Durchdringung der zeitgenössischen Kompositionen mit Werken jüdischer Autoren sein (9. 3.). Zu diesen Wort-Klang-Zwillingen gehören naturgemäß die Rapper. Aus dem Senegal kommt die politisch äußerste aktive Gruppe "Wa BMG 44" (13. März).<BR><BR>Auch für die "wortlastigen" Lesungen/ Gespräche hat Patricia Reimann, die für das Programm verantwortlich ist, von hochprominent bis hochunterhaltsam allerhand Spannendes versammelt. So spricht Alfred Brendel mit Jens Malte Fischer über seine doppelte Künstlerschaft als Pianist und Schriftsteller (8. 3.). Wolf Wondratschek, der mit "Mara" gerade per Roman ein Cello verewigt hat, plaudert mit Komponist Udo Zimmermann (14. 3.). Und André Heller, der in allen Künsten samt Fußball traumtänzelt, unterhält sich mit Roger Willemsen über sein Kunst-Kaleidoskop (15. 3.)</P><P>Informationen: Faltblatt/ Zeitung "Die Buchwoche" kostenlos im Literaturhaus, Gasteig, in Buchhandlungen etc. oder www.fruehjahrsbuchwoche.de. <BR>Karten: 089/ 54 81 81 81 oder beim jeweiligen Veranstaltungsort. Eine einheitliche Ticketausgabe gibt es leider nicht.</P>

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