Ortwin Ramadan

Ortwin Ramadan : „Ich habe nichts gegen Wikinger“

Abenteuerbücher nicht nur für Buben: Ortwin Ramadan ist Autor der multikulturellen „Superpiraten“

Was ein gescheiter Bub ist, der braucht eine Bande. Und wie der Emil seine Detektive hat und der Leon seine „Wilden Kerle“, so hat eben der Lars die Superpiraten. Vier Freunde und ein Papagei, die durch Dick und Dünn gehen, Begegnungen mit Außerirdischen und Drachen, Zeitreisen und Abenteuer auf hoher See inklusive. „Super“ sind diese Piraten, weil sie eine Geheimwaffe besitzen, die ihnen zu übernatürlichen Kräften verhilft. Autor der vier „Superpiraten“-Bücher für Kinder ab acht Jahren ist der Journalist und Film- und Fernsehautor Ortwin Ramadan.

Eigentlich hat er sich die Piraten für einen Kinderfilm ausgedacht. Der ließ sich nicht realisieren, aber Ramadan schrieb trotzdem vier Kapitel der Geschichte auf und schickte sie an Kinderbuchverlage. Er hatte sich wenig Hoffnungen gemacht und die „Superpiraten“ schon fast vergessen, als sich der Carlsen Verlag meldete und vier Episoden bestellte.

Ortwin Ramadan lebt mit seiner Lebensgefährtin als freier Autor am Ammersee. Er hat selbst keine Kinder, er schreibe für das Kind in sich: „Ich habe mir überlegt, was mir als Kind jetzt gerade Spaß machen würde, und das habe ich dann geschrieben. Es ist eine ziemlich wilde Mischung geworden.“ Vorher hatte sich Ramadan in einer Buchhandlung umgesehen und festgestellt, dass es wenig Literatur gibt, die explizit für Buben gemacht ist. Es sei denn solche mit pädagogischem Gestus. Mit ihrem Mix aus Abenteuer, Bandenkonflikten und Science-Fiction sollten die „Superpiraten“ diese Marktlücke füllen. Auch wenn trotz einiger Skepsis im ersten Buch ein Mädchen in die Bande aufgenommen wird: die wilde Yuki. Zu behaupten, dass das Bandenwesen reine Bubensache wäre, ist schließlich kaum noch zeitgemäß. „Außerdem kann man so ein paar Themen in die Geschichte bringen, ohne sie gleich zum Hauptthema machen zu müssen“, sagt Ramadan. Eher un-piratenhafte, zarte Gefühle wie Eifersucht zum Beispiel.

Ein anderes wiederkehrendes Motiv ist die Multikulturalität der Kinder: Lars ist der einzige Deutsche in der Clique, Yuki hat eine japanische Mutter, Timur ist Türke, und Boogie ist farbig. Was für die vier übrigens gar kein Thema wäre, gäbe es da nicht die gegnerische Bande, die scheußlichen Wikinger, die ihr Revier auf der anderen Seite des Flusses haben. Die sind ein bisschen älter, ziemlich mondgesichtig und Akne-geplagt und zudem rassistisch. „Kameltreiber“, „Knoblauchfresse“ und „Schokotörtchen“ ätzen sie. Und es geschieht ihnen nur recht, dass sie am Ende immer den Kürzeren ziehen.

Ortwin Ramadan ist selber in einer multikulturellen Umgebung aufgewachsen. Sein Vater kommt aus Ägypten und hatte in Aachen studiert, wo Ortwin geboren wurde. Viele Studienfreunde seines Vaters, mit deren Kindern er spielte, kamen aus wieder anderen Ländern. Ramadan kennt sich also aus mit interkulturellen Freundschaften. Seine Mutter übrigens ist Deutsche, und deren Vorfahren sind der Überlieferung nach echte Wikinger gewesen, die in der Gegend von Cuxhaven lebten: „Ich habe also auch nichts gegen Wikinger. Das Grundthema der Bücher ist Freundschaft“, erklärt er. „Über Unterschiede und Grenzen hinweg.“ Echte Freundschaft macht so eine Bande schon ziemlich unbesiegbar.

Und dann gibt es ja noch die Kugel aus Sternenstaub, die in jedem Kind, das sie in die Hand nimmt, ein verstecktes Talent hervorbringt: Lars kann sich unsichtbar machen, Timur wird bärenstark, Boogie ganz furchtbar klug, und Yuki kann blitzschnell laufen. Allerdings nur für eine Viertelstunde, dann lässt die Wirkung nach. So ein „Teamding“, sagt Ortwin Ramadan , ist diese Kugel: „Die Kinder sind gezwungen, sich zu arrangieren und klug zu überlegen, wie sie ihre Kräfte einteilen.“

Jeder Band der „Superpiraten“ ist eine geschlossene Erzählung. Wenn die Bücher Erfolg haben, könnte es noch beliebig viele weitere Bände geben. Ortwin Ramadan hat einige Ideen im Kopf. In einer der nächsten Folgen könnte es zum Beispiel passieren, dass die Piraten und ihre Gegner, die Wikinger, einmal zusammenarbeiten müssen. Damit die „bösen Wikinger“ nicht zum Klischee werden. Denn gegen Klischees hat Ramadan etwas. Ortwin Ramadan : „Die Superpiraten“ mit Bildern von Gerhard Schröder, Carlsen Verlag, Hamburg; jeder der vier Bände kostet 7,95 Euro.

von Marie Schmidt

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