Oscar in spe

- Auf der Suche nach den Könnern von morgen: Diesen Sonntagabend beginnt das Internationale Festival der Filmhochschulen in München. Zum 26. Mal werden vielversprechende Jung-Regisseure aus aller Herren Länder ihre ersten Filme vorstellen. Dass dabei so manches Talent zu entdecken ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Bekannte Filmemacher wie Lars von Trier, Caroline Link oder Sönke Wortmann präsentierten ihre Erstlinge auf dem Münchner Hochschulfestival.

Wer sich also in zehn Jahren als profunder Filmkenner erweisen und kommende Oscar-Preisträger mit einem lässigen "Ich habe sein Debüt damals beim Münchner Studentenfilmfest gesehen" kommentieren möchte, dem sei angeraten, vom 19. bis 25. November möglichst viele Nachmittage und Abende im Filmmuseum am St.-Jakobs-Platz zu verbringen.

Ein Trend lässt sich trotz aller Vielfalt in Genre und Thematik in dem bunt zusammengestellten Programm erkennen: Der Drang zur larmoyanten Selbstbespiegelung, der früher manchen Studentenfilm auszeichnete, ist endgültig vorbei. Die Arbeiten der Abschlussklassen 2006 kommen allesamt frisch und ungeheuer fantasievoll daher. Sucht man in den Komödien wie "Confessions Of a Late Bloomer" oder "37 Without Onions", in Psychothrillern wie "Guy In a Field", Dokumentationen wie "Lion" oder anrührenden Familiengeschichten wie "Melodramat" nach einem gemeinsamen Nenner, dann ist das vielleicht die Tatsache, dass trotz aller Experimentierfreudigkeit die jungen Regisseure nicht mehr zerfaserte Szenen kunstvoll-prätentiös aneinanderreihen. Stattdessen werden wieder wirklich bewegende, spannende, zum Nachdenken zwingende oder zum Lachen bringende Geschichten erzählt.

Einige der besten des Programms sind der norwegische Vater-Sohn-Film "Homevideo", die spanische Single-Komödie "Bitter Kas", der aufrüttelnde HFF-Film "Fair Trade" über die Unerbittlichkeit des Menschenhandels mitten in Europa oder der ebenso nachhaltig verstörende "The Refudge City" über die Freundschaft zweier polnischer Skinheads.

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