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Der wachsende Anteil von Menschen mit muslimischem Glauben ist eine große Integrationsaufgabe. Nun entsteht in Osnabrück ein Institut zur Ausbildung von Imamen.

Osnabrück blickt gen Mekka

Osnabrück - Der wachsende Anteil von Menschen mit muslimischem Glauben ist eine große Integrationsaufgabe. Nun entsteht in Osnabrück ein Institut zur Ausbildung von Imamen.

An der Universität läuft bis zu diesem Samstag die bislang größte Tagung zur Schulung von Imamen im Inland. “Wir erhoffen uns, mit der Imamausbildung Öffnungsprozesse in den muslimischen Gemeinden anzustoßen und die Integration der Muslime in Deutschland nachhaltig zu verbessern“, sagt der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU), der auf der Tagung referiert. “In den Moscheegemeinden kommt Imamen eine besondere Brückenfunktion zwischen Gemeindemitgliedern und gesellschaftlich relevanten Institutionen zu.“ Um diese Funktion optimal wahrnehmen zu können, benötigten die Imame ein umfassendes Wissen über Strukturen, Abläufe und Institutionen in Deutschland. “Dazu wird der Studiengang in Osnabrück künftig erheblich beitragen“, meinte der Minister.

Imame kommen derzeit zumeist aus den Ursprungsländern der Muslime nach Deutschland. So gehören von den rund 2500 Moscheen 750 der DITIB an, einer stark von der staatlichen türkischen Religionsbehörde beeinflussten Organisation. Deren Imame werden in der Türkei an Schulen und seit 2002 auch an Universitäten ausgebildet und für vier Jahre nach Deutschland geschickt. Bezahlt werden sie vom türkischen Staat, sie unterstehen dem türkischen Religionsattaché. Und all dies findet auf politischer Ebene immer stärker Beachtung. “Es ist ein Problem, dass Imame hier quasi “Mädchen für alles“ sind“, sagt der Leiter des islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts in Hamburg, Ali Özdil. Denn für diese Arbeit seien sie nicht vorbereitet, fügt der Forscher an, der seit 2007 Imam-Fortbildungen durchführt.

Bereits die Sprache sei eine Hürde. Die 400 Stunden Deutsch, die Imame am Goethe-Institut lernen, hülfen in der Gemeindearbeit nicht weiter. Zudem fehle der Einblick in deutsche Kultur und Lebensweise. “Sie können kaum eine Dialog- oder Integrationsfunktion anbieten“, sagt Özdil. Dennoch sperrt sich die türkische Organisation gegen Änderungen: “Die DITIB sieht keine Notwendigkeit für eine Ausbildung von Imamen in Deutschland“, sagt Özdil. Gemeinden, die nicht der DITIB angehören, griffen häufig auf Imame zurück, die bereits für die DITIB in Deutschland gewesen sind. Inzwischen bildeten auch Verbände Imame aus, wie der Verband der Islamischen Kulturzentren oder die vom Verfassungsschutz beobachtete Islamische Gemeinschaft Milli Görüs. Auch wenn 70 Prozent der Muslime in Deutschland aus der Türkei kommen, stammen die restlichen 30 Prozent aus weiteren 41 Nationen.

Entsprechend vielfältig wird die Religion ausgelebt. “Bislang waren Muslime unorganisiert, verfeindet, zerstritten“, sagt Prof. Bülent Ucar von der Universität Osnabrück. Der Islamwissenschaftler ist einer der Organisatoren der Tagung in Osnabrück. Die Ergebnisse sollen auch in das zweisemestrige “Universitäre Weiterbildungsprogramm für Imame“ einfließen, das im Herbst an der Osnabrücker Uni startet. Es wendet sich zum einen an Imame der DITIB, die bereits theologisch vorgebildet sind, sagt Uni-Vizepräsidentin Prof. Martina Blasberg-Kuhnke. Zum anderen richtet es sich an Muslime, “die in Deutschland geboren sind und hier andere säkulare Berufe ausüben“. Es sei ein erster Schritt für die Ausbildung von Imamen in Osnabrück, dem in Kürze ein Bachelorstudiengang folgen soll. “Wir gehen fest davon aus, dass wir in Osnabrück ein Institut für Islamwissenschaften bekommen“, sagt Bülent Ucar mit Blick auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Verankerung islamischer Theologie an deutschen Hochschulen.

dpa

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