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Einschüchternde Weltklasse: Mariss Jansons gestaltete tief bewegende Musik im Großen Festspielhaus von Salzburg.

Osterfestspiele - eine Generalprobe der Extraklasse

München - Die Generalprobe zu den Salzburger Osterfestspielen fand nicht nur wegen ihrer hochkarätigen Besetzung großen Anklang. Das Verdi-Requiem unter Mariss Jansons muss eine echte Offenbarung gewesen sein.

Der Buschtrommelwirbel aus Berlin war gewaltig. Das Verdi-Requiem unter Mariss Jansons mit den Berliner Philharmonikern, dem Chor des Bayerischen Rundfunks und einem erlesenen Solistenquartett muss eine Offenbarung gewesen sein. Und dabei war es doch „nur“ die Generalprobe für die beiden Aufführungen bei den Salzburger Osterfestspielen. Am Dienstag marschierte das hochgestimmte Publikum dort in Abenddirndl mit Nerzstola, aber auch in feiner Eleganz, sogar unbekümmert in altem Pullover im ausverkauften Großen Festspielhaus ein. Man rief sich schnell noch „Hinterher eine Kleinigkeit im Goldenen Hirschen essen!“ zu und ließ sich dann überwältigen allein schon von der zum Kunstvollzug antretenden Menschenmassen auf dem Podium. Der Chor zuerst, dann das Orchester, nach langer Pause, heftig beklatscht, der fidel-ungezwungene erste Geiger, die Solisten und, mit Jubel begrüßt, Mariss Jansons.

Der senkt den Kopf. Man spürt, dass er sich sammeln will. Gehuste, Geraschel. Wird er drüberdirigieren? Nein, er versucht, sein Ziel, die notwendige absolute Stille vor dem Pianissimo-Beginn, durchzusetzen. Kaum möglich, wenn man mit Kenntnis und zuverlässiger Sensibilität im Publikum nicht mehr rechnen kann. So setzt es denn an, in den letzten Huster hinein, dieses überirdische Piano, das für das Stück so entscheidend ist, weil es eine der wenigen Stellen der Transzendenz ist in diesem ganz aus der irdischen Perspektive geschriebenen Requiem.

Jansons dirigiert mit dem verführerisch perfekten Apparat den großen menschlichen Aufschrei, den Hader mit der Tatsache des Todes. Der überwältigende Chor (Peter Dijkstra) und das Orchester überbieten einander an präziser Schlagkraft. Die Paukenschläge haben eine erschreckende Endgültigkeit. Und die beiden Frauenstimmen, Sopran und Mezzo, flüchten nicht in den puren Wohllaut, sondern meinen es ernst mit dem „Recordare, Jesu pie“ (Bedenke doch, milder Jesus, dass du kamest meinetwegen...). Das ist eine Auseinandersetzung, keine Ergebung ins Unvermeidliche wie auch das nach manchen Scheintröstungen doch immer wieder herausknallende „Dies irae“ (Tag des Zorns) des Chors. Jansons nimmt den Kampf auf. Und so hat er auch die beiden Frauen ausgesucht: Krassimira Stoyanova, deren leuchtender Sopran seit ihrer Luisa Miller in München noch voluminöser geworden ist, und die Russin Marina Prudenskaja mit ihrem dunklen, herben Mezzo. Weichheit bringen diesmal die Männer ein: Stephen Milling, ein warmer, zu feinem Ausdruck fähiger Bass, der es nicht bei bloßer Stimmkraft bewenden lässt. Und Jonas Kaufmann ist die Freude des Abends. Es gibt kein größeres Podium als diese Osterfestspiele. Da hört die Welt zu. Wie viel kluge Arbeit an seiner Partie er da in Inständigkeit verwandeln kann („Hostias“), wie wenig er auftrumpft, natürlich bleibt und in den Spitzentönen doch italienischen Glanz schimmern lässt, das ist berührend – an diesem Abend der manchmal auch leise einschüchternden „Weltklasse“.

Weit entfernt davon, auch nur einmal Atem zu holen, schrie und klatschte das Publikum in den letzten, verlöschenden Ton hinein.

Beate Kayser

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