Osthoff inspiriert

- Eine Präferenz für zeitgenössische Dramatik hat man beim Münchner inkunst-Verein längst ausgemacht. Sich selber mal ein Stück schreiben war da nur ein folgerichtiger Schritt. Jetzt sind es gleich mehrere geworden: viele kleine Freud-Leid-Geschichten, die in einem (auch Fremdmaterial einbeziehenden) Schreib-Prozess zwischen dem aktuellen inkunst-Ensemble und den Schauspieler-Autoren Judith Al Bakri und Jochen Strodthoff entstanden.

Dieter Nelle, zum zweiten Mal inkunst-Gast, hat inszeniert: "Paradies gesucht", ein gedanklich anregendes Puzzle in allen Probenräumen und Fluren der Halle 7. Im Performance-ähnlichen Mittelteil kommt und verweilt man, wie man will. Da kann die Konzentration leicht zerflattern, vor allem bei den schwach konturierten Stories. Interessant jedoch ist die Entdeckung, dass diese intime Nah-Aktion vom Schauspieler eine ganz andere Projektion erfordert als auf entfernter Bühne.

Manche blühen auf, andere fallen ab. Was sie in ihren Kämmerchen, Kissenhöhlen und fantasievollen Lichterketten-Räumen solo oder zu zweit erzählen, sind frühe traumatische Erfahrungen: zur Strafe in einen Schrank gesperrt oder missbraucht worden zu sein - Lebensmomente, wo das Paradies verloren ging. Aber auch Erlebnisse, wo es wiedergefunden wurde - endlich den als Kind gehassten Spinat köstlich zu finden. Am stärksten die bunt-dichte Erzähl-Stafette zu Beginn und das Finale: Marietta Slomkas hier leicht gekürztes ZDF-Interview mit Susanne Osthoff vom 26. 12. 2005, von Thomas Weber und fünf Frauen scharf realistisch nachgestellt, in das die anderen fünf Spieler immer wieder individuelle Paradies-Wünsche hineinreden ("In meinem Paradies kriegen die Männer die Kinder" oder "Am Tigris-Strand sitzen und dort leben"). 

Sechsmal bis 9. Februar, 089/53 29 78 29.

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