Othello Thieme als Pate

- "Dass wir nicht den Fehler machen wie in den ersten eineinhalb Jahren: als wir junge Regisseure im Schauspielhaus inszenieren ließen und sie damit dem Druck aussetzten, der von der Institution Kammerspiele ausgeht; so dass sie diesem hohen Anspruch nicht gewachsen waren." Diese Einsicht bedeutet für Kammerspiele-Intendant Frank Baumbauer aber nicht, sich vom Erproben junger Regie-Begabungen zu verabschieden. Das bedeutet lediglich: Das Forum seiner jungen Talente wird sich in der neuen Spielzeit auf den Werkraum beschränken.

<P>Kurz vor Spielbeginn stellte Baumbauer jetzt noch einmal die unmittelbar nächsten Ereignisse seines Theaters vor. Die Saison startet mit einem gehörigen Akkord: am 30. September im Schauspielhaus die Uraufführung "The New Electric Ballroom" von Enda Walsh; am 2. Oktober Albert Ostermaiers "Radio Noir"-Monolog im Werkraum; am 3. Oktober, wiederum im Schauspielhaus, "Fünf Goldringe" von Joanna Laurens als Übernahme von den Salzburger Festspielen. Zusätzlich toben sich an diesem Wochenende, am 1. und 2. Oktober, in beinahe allen Räumen diverse Schriftsteller aus beim "Wochenende der jungen Dramatiker".<BR><BR>"Ich hoffe, dass wir da zwei gute Autoren entdecken können."<BR>Frank Baumbauer<BR><BR>Dazu Barbara Mundel, die als neue Chefdramaturgin für die kommenden zwei Jahren der städtischen Bühne beisteht: "An diesem Dramatiker-Wochenende stellen wir Texte von vier zum Teil ganz jungen, noch in den Anfängen steckenden Autoren vor - in Form kleiner Inszenierungen, die jeweils nicht länger als eine Stunde dauern werden. Dazu präsentieren wir noch zwei Texte in Lesungen." Für jeden der Autoren wurden so genannte Paten bestimmt - zum Beispiel Othello-Darsteller Thomas Thieme oder Regisseur Stephan Kimmig. Sie begleiten die jeweilige Arbeit, schauen sich die Aufführung an und debattieren danach vor Publikum mit dem jungen Dramatiker über Stärken und Schwächen seines Textes. Die Bandbreite der Texte sei sehr groß, verspricht Barbara Mundel: von experimenteller Dramaturgie bis zur klassischen Beziehungskiste.<BR><BR>Und noch etwas haben sich die Kammerspieler zu diesem Wochenende ausgedacht: Drei "theaterfremde" Persönlichkeiten - Filmregisseur Max Färberböck, ein Psychologe sowie ein DJ - werden die dramatischen Gehversuche beobachten und am Ende in einer Diskussion darüber befinden, ob das hier Gesehene mit ihrem wirklichen Leben überhaupt etwas zu tun hat.<BR><BR>Aber das Theater wird in erster Linie nicht fürs Diskutieren subventioniert, sondern fürs Spielen. Und da ist bei Baumbauer Folgendes annonciert: zunächst drei Gastspiele - im November noch einmal "Zwei Stimmen" von Johan Simons mit dem fabelhaften Jeroen Willems, im Februar Luk Percevals Version von Tschechows "Onkel Wanja" (auf Flämisch) und im März Büchners "Woyzeck" vom Hamburger Thalia Theater in der Regie von Michael Thalheimer.<BR>Nach dem Kraftakt zur Saisoneröffnung folgt der nächste große Kraftakt am 4. Dezember, wenn Andreas Kriegenburg Friedrich Hebbels "Nibelungen"-Trilogie im Schauspielhaus stemmt. Keine Abend-, sondern ganz gewiss eine Ganztagsveranstaltung. Übrigens mit Wiebke Puls, die bei den "Nibelungen" jüngst in Worms die Brunhild war, in der Rolle der Kriemhild. Den Siegfried wird Oliver Mallison spielen.<BR><BR>Und dann gibt es da noch "Bunnyhill", das höchst sozial ambitionierte Projekt mit dem Münchner Hasenbergl. Dazu gehören die Aufführung - eine Gemeinschaftsarbeit von Schauspielern und Jugendlichen - mit dem Titel "Ein Junge, der nicht Mehmet heißt" sowie die "Staatsgründung" Bunnyhill in den selbst gewählten Grenzen des Neuen Hauses, wo diese theatrale Gesellschafts-Alternative vom 22. Oktober bis 19. Dezember regiert.<BR><BR>Organisatorische Neuigkeiten: An der Tageskasse der Münchner Kammerspiele kann man jetzt auch Karten fürs Volkstheater oder für die Philharmoniker kaufen, ferner ist auch eine Buchung übers Internet möglich.<BR><BR></P>

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