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Otti mit Schnauze und Schnauzer.

Die gute Nachricht

Otti Fischer: So ist sein neues Solo (Lach & Schieß)

München - Jetzt noch langsamer – das kündigt Ottfried Fischer im Titel seines neuen Soloprogramms an. Glatt geschwindelt!

Bei der Premiere sausten seine Gedanken so schnell durch die gesteckt volle Lach- und Schießgesellschaft, dass das Publikum kaum hinterherkam. Und auch Otti hatte alle Mühe, sich auf den Fersen zu bleiben. Grad zum Fleiß, wie um sich selbst zu beweisen, dass er so einen Abend noch stemmen kann, irrwitzelte und wirrwitzelte sich Fischer kreuz und quer durch die Weltgeschichte, sagte dem Konzept eines roten Fadens entschlossen den Kampf an. Ottis Themen-Verhau, angekündigt als „Best of“, hatte wunderbare Momente, die sich mit massiver Ratlosigkeit bei den Zuhörern abwechselten.

Mit Schnurrbart, Nickelbrille und zu kurzem Krawattl steigt der 61-jährige Niederbayer auf die Bühne in der Ursulastraße, Schnauz und Schnauf. Und er wirft die Fragen auf, die sich bisher die wenigsten gestellt haben: Hat Casanova besser genagelt als Luther? Ist eine Mondrakete mit lauter Frauen ein unbemannter Raumflug? Und war Klaus Kinski auf die Bürgermeistertochter aus Untergriesbach scharf?

Wenn eine Pointe zündet, und es sind nicht wenige, funkeln Ottis Augen vor Freude. Körper entschleunigt, Kopf beschleunigt, Spottlust hellwach.

Ein Konzept würde dem Programm trotzdem guttun, das Leo Gmelch mit spitzen Tuba-Tönen begleitet. Fischer liest aus seiner Biografie Das Leben ein Skandal, ratscht über alte bayerische Sozen wie Karl-Heinz Hiersemann und führt trashige Frühsportvideos vor.

Wenigstens ein rotes Fädchen bilden seine Ausführungen über die Kunstform des Nuschelns. Otti nuschelt auch, aber man versteht ihn immer noch besser als Til Schweiger. Zwischendurch tänzelt er über die Bühne, feuert Wortkanonaden ab und droht mit Stagediving. Ein ausgefeiltes Kabarettprogramm ist Jetzt noch langsamer keinesfalls, und Ottis Botschaft lautet: „Schaut’s her, ich bin immer noch da, und ich scheiß mir nix.“ Und das ist allemal eine gute Nachricht.

Jörg Heinrich

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