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Generationsübergreifenden Kindergeburtstag feierte Otto im Circus Krone.

Nicht alle Gags zündeten

Ottifantöser Spaß: Otto rockt den Circus Krone

München - Otto füllt den Circus Krone drei Abende lang: Siebenjährige liegen ihm dabei genauso zu Füßen wie Siebenundsiebzigjährige. Und das, obwohl nicht alle Gags zünden.

Es war 1973. Helmut Schmidt war noch längst nicht Kanzler, der FC Bayern hatte noch nie den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Und Otto Waalkes hatte seine erste Show im Fernsehen. Dass das ewige Kind, Born to be Child, 41 Jahre später den Münchner Circus Krone drei Abende lang füllt, dass ihm Siebenjährige ebenso zu Füßen liegen wie Siebenundsiebzigjährige, ist eine grandiose Leistung. Und, Holla-di-hitiiii, es ist mehr als verdient. Der Krone als Rüssels-Heim, es war mal wieder ein ottifantöser Spaß. Diesen Otto muss man einfach gut finden. Er genießt Welpenschutz für Ältere.

Er irrlichtert über die Bühne

Klar ist es (gefühlt) Jahrhunderte her, dass ihm Robert Gernhardt brillanten linksintellektuellen Unfug auf den dürren Friesenleib schrieb. Doch Gernhardt ist tot, die Zeiten sind andere – und so feiert Otto heute, mit bald 66, eben generationsübergreifenden Kindergeburtstag mit viel Liebe zum Detail. Gleich zu Beginn singt er ein kleines Cover von „Baker Street“ – und der Stoff-Ottifant in seiner Hand trötet das Saxofon. Wie süß ist das denn!

Links auf der Bühne steht windschief das nachgebaute Otto Huus, sein Museum in Emden, rechts ein Leuchtturm, in dem Otto mit seinem Sid aus „Ice Age“ Puppentheater spielt. Kinderaugen beim Wettleuchten! Natürlich zündet nicht jeder Gag, natürlich ist vieles Pennälerhumor aus einer Zeit, als es noch Pennäler gab. Doch was soll’s? Otto hält sich eh bei keinem Witz lange auf, Wisch und Gag.

Er irrlichtert über die Bühne, erzählt mit ein paar Gitarrengriffen ganze Märchen. Und statt mit dem immergleichen Material hausieren zu gehen, hat er nach wie vor kindlichen Spaß daran, frischen Quatsch auszubrüten. Von Bart-Conchita bis zu Hänsel und Gretel in der „Supergeil“-Version („Superwald, Superhexe, Supergeil“) ist alles dabei. Von wegen Rostfriese. Jetzt, wo „Wetten, dass...?“ weg ist, bleibt uns eh nur mehr Super-Otto. Hoffentlich noch lange.

Jörg Heinrich

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