Otto-Falckenberg-Schule: Kulturausschuss entscheidet heute über Knebelverträge

München - Freiheit der Lehre oder am Gängelband des jeweiligen Intendanten? Schauspieler, die sich in ihrer Ausbildung den aktuellen Gegebenheiten anzupassen haben, oder welche, die diese Anpassung verweigern, um in ihrer Berufsausübung der Gesellschaft den Spiegel vorhalten zu können?

Das sind die Fragen, um die es heute im Kulturausschuss der Stadt München geht. Und es geht dabei um die Otto-Falckenberg-Schule, die den Münchner Kammerspielen zugeordnete und hochrenommierte Schauspielschule.

Wie in dieser Zeitung bereits ausführlich dargelegt (Ausgabe 1./2. 9. 07), beabsichtigen Kammerspiele-Intendant Frank Baumbauer und Geschäftsführer Siegfried Lederer in Fragen der Ausbildung die Weichen neu zu stellen - in Richtung Gängelband und Anpassung. Und im Einvernehmen mit dem neuen Schulleiter Jochen Noch. Nun soll der Kulturausschuss die vom Theater eingereichte Vorlage zur Veränderung der Tarifverträge des Lehrpersonals absegnen. Das würde bedeuten: Die neu verpflichteten Dozenten erhielten nicht mehr einen BAT-Vertrag, sondern einen Künstlervertrag, den sogenannten Normalvertrag (NV) Bühne, der befristet und jederzeit kündbar ist.

Das derzeitige Lehrpersonal, das von dieser Änderung nicht betroffen ist, leistet dennoch Widerstand. Es ehrt die Dozenten, sich so ins Zeug zu legen dafür, dass die Unabhängigkeit und damit die unabdingbare Qualität der Schauspielerausbildung auch in Zukunft gewährleistet sei. Die andere Seite, die Theaterleitung, argumentiert dagegen, dass nur ein geändertes Tarifwesen eine bessere Ausbildung ermögliche. Warum? Weil nur per NV Bühne Kapazitäten verpflichtet werden könnten, die mit BAT-Verträgen gar nicht zu bezahlen wären. Eine These, die nicht der Realität entspricht. Denn diese Möglichkeit, herausragende Persönlichkeiten auf Zeit ans Institut zu binden, gab es an der Falckenbergschule schon immer: und zwar durch Werkverträge. Die Höhe der jeweiligen Gage oblag dem Schulleiter.

Da liegt der Schluss schon nahe, dass der neue Tarifvertrag keinen anderen Zweck erfüllen soll, als die Lehrerschaft und mit ihr die angehenden Schauspieler abhängig und mundtot zu machen. Diesen Verdacht hegt auch CSU-Kulturstadträtin und Korreferentin Ursula Sabathil. Sie sieht in den veränderten Verträgen "die Kontinuität der Ausbildung gefährdet". Und offenbar auch der Personalrat der Kammerspiele. Der nämlich hat, so Vorsitzender Ulrich Grether, vorgestern seine Zustimmung zum Vertragswechsel "aus juristischen Gründen" zurückgezogen. Wie zu hören ist, wollte sich SPD-Kulturstadträtin Ingrid Anker mit ihrer Entscheidung nach dem Personalrat richten.

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