Im Oval der Arena

- Lange bevor das Münchner Rundfunkorchester den ersten Ton erklingen lässt, hat das Spiel schon begonnen: An den Rändern der Arena, im ägyptischen Wüstensand patrouillieren Wachsoldaten, Sklaven mühen sich mit einem schweren Steinquader ab, Frauen waschen, und schwarz gelockte Kinder tummeln sich im Sand. Die Szene (Bernard Arnould) belebt sich immer mehr, Priester treten auf, Soldaten exerzieren, und ein alter Mann hockt an einer Wasserstelle, umringt von Kindern, denen er (jeweils vor den Akten) erzählt: Von Aida, Radames und Amneris, vom Krieg zwischen Äthiopiern und Ägyptern und vom traurigen Ende des Liebespaares.

Die Münchner Olympiahalle und die 8500 Zuschauer (am Karsamstag, am Ostersonntag noch einmal 7500) waren somit bestens vorbereitet, Giuseppe Verdis "Aida" zu empfangen. Natürlich macht die Oper mit ihrem Triumphmarsch und den großen Chorauftritten ordentlich was her und taugt seit ihrer Uraufführung 1871 in Kairo als großes (Freiluft-)Spektakel, nicht nur in Verona.

Fackeln und Flammenkranz

Auch die Companions Oper Amsterdam lässt es bei ihrer opulenten Hallen-Produktion krachen und trumpft mit einem kuriosen Zahlenkatalog auf: "1 Dirigent, 1 Raubvogel, 7 Pferde, 8 Solisten, 286 Statisten, 25 000 Liter Wasser, 46 km Kabel".

Doch zum Glück kontert Regisseur Petrika Ionesco die pompösen Aufmärsche und Nerven kitzelnden Streitwagen-Rennen samt steigender Rösser) - mit packender Intensität und Spannung auch in den intimen Szenen. So gelingt es den Protagonisten, sich im großen Oval der Arena mit ihren Gefühlen zu behaupten. In ihren Arien, Duetten und Terzetten lodern Liebe, Eifersucht, Hass und Machtgier mit Fackeln und Flammenkranz um die Wette, überboten nur vom effektvoll Funken sprühenden Feuerwerk beim Einzug des siegreichen Radames.

Klar, das ist nichts für Puristen, aber als Gesamtereignis ein durchaus gelungener Coup. Gegenüber all den geschickt im kompletten Raum, auch rund um das mittlere Spielpodest, platzierten optischen Reizen hinkt die Akustik hinterher. Denn leider wird der Klang allzu rasch knallig, wirkt übersteuert und in den Ensembles nicht richtig ausbalanciert. Obwohl doch Patrick Fournillier am Pult des souveränen Münchner Rundfunkorchesters durchaus auf Differenzierung bedacht ist. Das spürt man vor allem in den intimen Auseinandersetzungen des dritten und vierten Aktes, ahnt es in den instrumental delikaten Ballettszenen mit reizendem Kindertanz (Choreographie: Krzysztof Pastor).

Dass sämtliche Protagonisten mit hoch empfindlichen Mikroports ausgestattet sind, ist unüberhörbar. Am besten nutzt dies Chariklia Mavropoulou als großartige Amneris. Mit raumgreifendem Mezzo, flammender Höhe, satter Tiefe und leidenschaftlicher Gestaltung erobert sie zwar nicht Radames, aber umso rascher das Publikum.

Keith Olsen kann sich als Radames bis zum Schluss auf sein tenorales Durchhaltevermögen verlassen. Weniger überzeugend wirkte Ines Salazar als stimmlich unruhige, in der Höhe unsichere Aida (in der ersten Aufführung). Neben diesem Trio bewährten sich in markigen Bariton- und Basstönen Vittorio Vitelli als Amonasro, Guido Jentjens als Ramphis und Stefano Rinaldi-Miliani als Pharao. Unterstützt wurden sie vom Philharmonischen Chor München, der, gleich beim Orchester postiert, seinen Part sicher absolvierte.

Derweil halfen fast 300 Münchner Statisten mit beim wirkungsvollen, zuweilen sogar mit schlichten Mitteln überraschenden, nie kitschigen Schaugepränge. Verdi hält's aus, und die Zuschauer genossen es.

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