Ozzy als Arbeitstier

- Wenn die Urväter des Heavy Metal, Black Sabbath, komplett mit Skandalnudel Ozzy Osbourne zur schwarzen Messe in die Münchner Olympiahalle bitten, dann folgen ihnen immer noch die Massen. Musikalisch befürchtet man das Schlimmste. Denn die große Zeit der vier aus Birmingham, die sich 1970 durch eine einzige Single mit dem verheißungsvollen Titel "Paranoid" in sonderbarem Rechts-Links-Stereo in den Rang von Superstars katapultierten, liegt über 30 Jahre zurück.

<P>Zum Glück alles falsch! Spätestens bei den häuserversetzenden Gitarrenriffs von "War Pigs" ist endgültig klar: Hier versuchen keine gelangweilten Rock-Rentner, ein nostalgiesüchtiges Publikum abzuzocken, hier zelebrieren vier vitale Leistungsträger der Heavy-Metal-Oberliga ein ausgelassenes Familienfest. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Neben der üblichen Kult-Gemeinde in Schwarz, martialischen Rocker-Trupps und spiegelnden Glatzen über fadenscheinigen Pferdeschwänzen trotzen viele Familien mit Kindern im Grundschulalter begeistert dem Soundgewitter.<BR><BR>Black Sabbath sind, allem okkulten Firlefanz zum Trotz, hervorragende Handwerker. Tony Iommi, im Ledermantel anzusehen wie ein Clint Eastwood des Rock, brilliert mit einem uneitlen, aber effektvollen Gitarrenspiel, er lässt das Instrument in tiefen Lagen singen und verzichtet weitgehend auf nervende Hochton-Girlanden. Geezer Butlers donnernder Bass legt einen komfortablen Rhythmus-Teppich darunter, unterstützt von Bill Wards kompromisslos-präzisem Schlagzeug. Und über allem das nörgelnde, sägende Organ von Ozzy Osbourne, der Stimme, der Galionsfigur und der Seele von Black Sabbath.<BR><BR>Was macht die Faszination aus, die der pummelige, x-beinige Sänger immer noch ausstrahlt? Ozzy ist kein "Metal-Poser", er ist 56, bewegt sich tapsig nach jahrzehntelangem Drogen- und Alkoholmissbrauch und infolge einer Nervenkrankheit. Aber Ozzy ist nicht nur der MTV-Trottel, der der Welt sein bizarr-spießiges Familienleben ins Wohnzimmer liefert. Ozzy ist ein Rock-Überzeugungstäter mit gut geladenen Akkus: Er will keine Legende sein, sondern ein Arbeitstier, das schreit und schwitzt und Spaß dabei hat. Der Fürst der Finsternis ist ihm dabei abhanden gekommen, auf satanisches Gelächter wartet man vergebens. Stattdessen klatscht der "Madman" fröhlich in die Hände, bedient sich und das Publikum neben den Sabbath-Klassikern wie "Iron Man", Black Sabbath", "Wizard" oder "Fairies Wear Boots" mit Wasser aus großen Eimern. Und demonstriert dabei eine kindliche Freude an obszönen Sprüchen.<BR><BR>Black Sabbath 2005: Das ist nicht mehr jene verbissen dargebotene akustische Lava von 1970. Sondern ein veritabler Vulkanausbruch mit lauten und bunten Eruptionen - einfach richtig gute Musik. </P><P> </P>

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