Das Paar und die Monster

- Sie schoss auf Farbbeutel, er baute zwar funktionierende, aber völlig zweckfreie Maschinen. Sie bastelte überlebensgroße Puppen und betörte mit diesen bunten Figuren mit böser Vergangenheit die Welt. Er steckte mit seinem technischen Spieltrieb die Betrachter an. "Wir sind Gegensätze, die zusammenkommen. Es ist wie ein Pingpongspiel zwischen uns." So beschreibt Niki de Saint Phalle (1930-2002) ihre Beziehung zu Jean Tinguely (1925-1991). Das Künstlerpaar war eine Ausnahmeerscheinung: Beide blieben eigenständig kreativ. Logischer-, aber auch seltsamerweise ist ihre gemeinsame Entwicklung bisher wenig berücksichtigt worden. Die Versicherungskammer Bayern, München, behebt dieses Manko.

<P>Anhand der Privat-Plakatsammlung Claus van der Osten aus Hamburg werden die Wege der Kunststars nachgezeichnet. Der Schweizer Tinguely präsentierte auf seinen frühen Plakaten ab 1962 vor allem die Konstruktionen für seine Maschinen. Bewegung mittels Pfeilen und Rädern hielt er in seinen raschen Skizzen fest. 1966/67 baute er ein Maschinenmonstrum für die Expo in Montreal, das sich nur um die Bewegung eines kleinen weißen Blattes bemühte. Ein Fotoplakat zeugt von der Begeisterung für seine Dada-Konstruktionen: Lachend radelt eine Frau auf dem Standrad und graviert damit eine Metallplatte (Paris 1971). Interaktive Maschinen wie ein Ballwerfer spielten sich in die Herzen des Publikums.<BR><BR>Niki de Saint Phalle tat das wiederum mit ihren farbenfroh-naiven Nanas. So heiter ist aber ihr Hintergrund gar nicht. Vom Vater missbraucht, tobte sie sich zunächst mit Farbschlachten aus, um in den 60er-Jahren zu ersten Fabelwesen in Drachenform zu finden. 1965 erfand sie dann über Nacht die mütterliche, aber sexuell attraktive Nana-Figur. Auch für die Hypo-Kunsthalle in München flog die Frauenfigur übers nachtblaue Plakat. So wie noch 1984 eine federleichte Prachtdame für das Jazz Festival Montreux swingt. Zu dieser Zeit hat sich die Künstlerin allerdings auch schon anderen mythologisch aufgeladenen Wesen in klarer Linie und Farbigkeit gewidmet.<BR><BR>Der gegenseitige Einfluss ist bei dem Paar nur subtil und wird bei der Ausstellung auch nicht aufgebauscht. Tinguely wurde farbiger, verwendete manche von Nikis Stempeln. Im Gegenzug war er ihr "Hilfstechniker" in Sachen Konstruktion. Dass die beiden sich eine lebenslange, inspirierende Freundschaft bewahrt haben und heirateten, nachdem die Liebesbeziehung schon lange beendet war, spricht von der ganz besonderen Qualität der Verbindung. Die Schau lässt zumindest ein wenig davon ahnen.</P><P>Bis 28. August, Maximilianstr. 53, Tel. 089/ 21 60 27 91.<BR></P><P> </P>

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