Palast der Wandlung

- Sir Peter Jonas nahm kein Blatt vor den Mund: Dass ihn auf die Einladung zum Eröffnungsvortrag der Münchner Opernfestspiele aus den Reihen der bayerischen Ministerien so viele Absagen erreicht hätten, erfülle ihn mit Unverständnis. Gäbe es tatsächlich Politiker, die nicht begriffen hätten, dass man sich in Sachen Kultur ein Gegeneinander nicht mehr leisten könne?

<P> So wohnten dem Vortrag von Kulturstaatsministerin Christina Weiss "Der Palast der Verwandlung - die Oper im 21. Jahrhundert" in der Residenz von politischer Seite nur drei Stadträte bei. <BR><BR>Weiss legte ein Bekenntnis zur Oper ab: Keine andere Kunstform habe, den singenden Mensch im Mittelpunkt, und damit künstlich und naturhaft zugleich, die Ausbildung von Subjektivität und humaner Ganzheitlichkeit so gefördert wie die Oper, keine andere aber sei auch so demokratisch wie sie, die bis heute Archetypen wie Liebe, Hass und Machthunger kollektiv erfahrbar mache. Dennoch bestehe heute die Gefahr, dass die Institution Oper auf der Stelle trete, zum preziösen Abseitsplatz der Eingeweihten werde. </P><P>Wie sie aber dem entkomme? Sobald Weiss vom Schwärmen zu Antworten überging, nahm die Aussagepräzision ab: Kann die Oper tatsächlich vom Film lernen, kann ihr "Gegen die Wand" als Vorbild für erfolgreiches Erzählen und für Vermarktung dienen? </P><P>Und was meinte Weiss konkret, wenn sie forderte, die über 80 deutschen Opernhäuser müssten flexibler werden, um bei wachsender Konkurrenz an Freizeitangeboten ihr Publikum zu locken? Vom ästhetischen Bekenntnis zur Eindeutigkeit politischer Stellungnahmen - das scheint ein weiter Weg, selbst für eine parteilose Ministerin. Am Ende ging man auseinander mit dem Gefühl, einen engagierten Vortrag gehört zu haben, ohne den Problemlösungen näher gekommen zu sein.</P>

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