"Papa, nur nicht zum Ballett"

Sergej Filin in "Don Quixote": - Das berühmte Moskauer Bolschoi-Ballett nach dreißig Jahren zum ersten Mal wieder in München: heute bis Samstag, mit dem Petipa-Klassiker "Don Quixote" in je verschiedener Besetzung. Sergej Filin, Bolschois langjähriger "danseur étoile", wird am Samstag im Nationaltheater in der Rolle des Basile zu sehen sein.

Was bedeutet Ihnen "Don Quixote"?

Das ist ein Ballett mit sehr vielen Virtuoso-Sprüngen, -Drehungen und feurigen Charakter-Tänzen. Da fühlen sich die Tänzer besonders frei, haben beim Tanzen selbst sehr viel Spaß.

Unlängst war das St. Petersburger Mariinsky Ballett in München. Gibt es zwischen ihm und dem Bolschoi eine gewisse Rivalität?

Vielleicht in der Ballettdirektion, nicht bei den Tänzern. Wir mögen uns, respektieren einander. Bei einer Gala in Mexiko auf einer Freilichtbühne mit 5000 Zuschauern sind drei Ensembles zusammen aufgetreten, das Mariinsky, das Bolschoi und das Kiewer Ballett. Da haben wir gespürt, dass wir aus einer gemeinsamen Tradition kommen.

In Deutschland gibt es einen Mangel an guten männlichen Tänzern. Jungs wollen heute lieber Geld verdienen...

Es ist tatsächlich auch bei uns so, dass sich viele überlegen, ob sie diesen harten Beruf wählen sollen. So gut bezahlt ist er nicht. Bei Mädchen ist es anders. Die träumen davon, Ballerina zu werden, ohne an die Zukunft zu denken. Auf zehn Mädchen kommt ein Junge, der tanzen will. Mein ältester Sohn, er wird jetzt elf, hat mir schon gesagt: Papa, nur nicht zum Ballett!

Wie erleben die Menschen das neue Russland?

Moskau hat sich total verändert. Überall die schicksten Geschäfte. Ich bin in diese Zeit hineingewachsen, finde es gut so. Aber es gibt so viele arme Menschen. Da muss sich etwas ändern. Meine Mutter übrigens sagt, dass die Zeit früher für sie die schönste war, selbst das Schlangestehen, und dass es nur ein oder zwei Wurstsorten gab und nicht von allem diese überdimensionale Auswahl.

Das Gespräch führte Malve Gradinger.

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